• Stadtleben
  • Whistleblowerpreis 2013 an Edward Snowden

Stadtleben

Whistleblowerpreis 2013 an Edward Snowden

Annegret_Falter_Frau Falter, wie wollen Sie Edward Snow- den den Whistleblower-Preis übergeben? Er hält sich ja wohl irgendwo in Russland auf. ANNEGRET FALTER Herr Snowden nimmt den Preis dankend an. Er wird ihm aber in Abwesenheit übergeben.

Sie sitzen in der Jury. Wieso gerade er?
Wir denken, dass Snowden der Weltöffentlichkeit einen großen Dienst erwiesen hat mit dem Bekanntmachen der technologischen Überwachungsmöglichkeiten von PRISM, Tempora und XKeyscore.

Das erklären Sie mal der US-Regierung.
Snowden hat das Material an einen der weltbesten investigativen Journalisten, Glen Greenwald, und eine ausgewiesene Doku- mentarfilmerin, Laura Poitras, weitergege- ben. Die haben eine Auswahl getroffen: Was liegt im öffentlichen Interesse? Snowdens verantwortungsvollen Umgang mit brisantem Material finde ich geradezu beispielhaft.

Gerade wurde der Partner von Greenwald stundenlang von britischen Beamten verhört und beim „Guardian“ die Zerstörung von Festplatten verfügt. Heftig, oder?
Die Menschenjagd auf Snowden muss aufhören. Er ist kein Terrorist. Snowden hat bloß unliebsame Wahrheiten ans Licht gebracht. So erklärt sich auch unsere Forderung an die Bundesregierung, Snowden einen sicheren Aufenthaltsort anzubieten.

Der Preis wird seit 1999 vergeben, 2011 wurde mit einem Teil des Preisgeldes der Wikileaks-Informant Bradley Manning unterstützt. Jetzt der Preis für Snowden. Gab es schon böse Anrufe aus der US-Botschaft?
Nein, wir selber haben die amerikanische Botschaft informiert. Wir geben der „Gegenseite“ immer Gelegenheit, Stellung zu nehmen zu dem, was wir vorzubringen haben.

Mit welcher Antwort?
Sinngemäß, dass wegen des laufenden Verfahrens keine Auskünfte gegeben werden. Sorgen Sie sich vor Ihrer nächsten US-Reise? Ich habe vor ein paar Monaten auf einer Demonstration für Manning in Berlin genau diese Frage gestellt: ob es klug ist, auf so einer Demonstration vor der amerikanischen Botschaft zu reden, wenn man öfter wie ich in die USA einreisen möchte.

Dank Snowden ist Whistleblowing derzeit stark in der Diskussion.?
Glaubt man der Bundesregierung, dass sie von der Ausforschung deutscher Bürger und Unternehmen durch ausländische Dienste keine Ahnung hatte, demonstriert der Fall, dass ein Whistleblower mehr ans Licht bringen kann als die deutschen Geheimdienste

Annegret Falter
Kanzleramtschef Ronald Pofalla hat aber die NSA-Affäre für beendet erklärt.?Ich sehe nicht, was da beendet ist. Umfang, Rechtsgrundlagen und politische Verantwortlichkeiten für massenhafte und verdachtsun- abhängige Überwachung von Kommunikationsdaten durch die NSA und andere westliche Geheimdienste sind nach wie vor nicht geklärt.

Interview: Erik Heier
Foto: David von Becker

 

Mehr Tipps der Redaktion:

Der Treptow-Köpenicker SPD-Bezirksverordnete Lars Düsterhöft über die
Internet-Bettenbörse „Sozis schlafen bei Sozis“
zum 150-Jahre-Fest der
SPD 

Sepideh Zarrin Ghalam hat mit Freunden in Berlin die Organisation Oriental Heritage Without Borders gegründet, die sich für das Kulturerbe des Orients und dessen Erhalt einsetzt

Ein 1,8 Millionen m2 großer, innerstädtischer See, umgeben von offenen Parklandschaften, mitten in Berlin. Das ist die Vision von Martin
Brosch, Begründer der Initiative Tempelhofer See
.

Die Filmemacherin und Satirikerin Marion Pfaus („Rigoletti“) sammelt Spenden für den Rückbau des Stadtschlosses.

Im Gespräch mit Lala Süsskind und Jörg Steinert über ein Denkmal für Magnus Hirschfeld

Im Gespräch mit Karin Rothe über ihren Film „Betongold“, der sich mit der am eigenen Leib erlebten Gentrifizierung auseinander setzt

Marion Kiesow über 100 Jahre Clärchens Ballhaus

 

Übersichtsseite Kultur und Freizeit in Berlin

 

 

Mehr über Cookies erfahren