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Wie Renate Künast kein Geheimnis lüftete

kuenastVergangener Freitag, später Nachmittag, Lichthof des Museums für Kommunikation. Es ist so weit. Renate Künasts Krönung. Hinter dem Rednerpult eine grüne Pappwand: „Für die Zukunft. Für alle. Für Berlin.“ Was für ein Slogan. Klingt nach Dr. Udo Brömme, dem „CDU-Mann“ aus der frühen Harald-Schmidt-Show: „Zukunft ist gut für alle!“ Was soll man dagegen schon sagen?
 
Lustig, die letzten Tage. Wie sich die grünen Meinungsdeuter heiter wanden. Etwa so wie: Ja, Kü­nast hält an dem Freitag eine Rede. Worüber? Och. Man wisse schon. Genau, darüber. Nein, keine offene Bestätigung. Die Rede eben. Die aktuelle Ausstellung im Museum ist über Gerüchte. Zwinker, zwinker. Seit Monaten ist ja dieses Gerücht in der Welt. Künast wolle 2011 Regierende Bürgermeisterin werden. Die erste grüne überhaupt. Heute ist der Tag. Wird auch Zeit. Die Umfragen. Mannomann. Zuletzt 29 Prozent für die Grünen. Zwei Prozent vor der SPD. Kurz nach halb sechs. Der Lichthof füllt sich. Rund 900 geladene Gäste, vor allem vom Landesverband der Grünen, das Ganze ist als erweiterter Mitgliederabend tituliert.
 
Wolfgang Wieland ist einer der ersten im Hof, zerfurchtes Urgesteingesicht. Knufft Michael Cramer mit der Faust auf die Brust, noch so ein Altvorderer, Verkehrsexperte seit anno dazumal. Wow, haben die alle eine gute Laune. Cramer wird als Senator gehandelt für den, hüstel, Fall der Fälle. Zitiert einen Satz, den er neulich gesagt hat: dass er nichts anstrebe, aber auch nichts ausschließe. Dann schlendert auch noch Hans-Christian Ströbele ran, das urigste Urgestein von allen. Muss tags darauf nach Gorleben, die große Castor-Nummer. Will das Rad mitnehmen. Tour de Wendland. Grüner Pflichttermin.
Wieland, launig: „Christian, haben sie dich eigentlich eingewiesen?“ Ströbele, lässig: „Jeder über 70 kriegt hier einen Platz.“
 
Aha, deshalb also die Zettel auf vielen Sitzen: „Reserviert“. Dahinter, in Klammern: „bitte respektieren“. Seltsam, dass man das bei den Grünen extra dazuschreiben muss. 18.11 Uhr. Bertram Morbach, stellvertretender Leiter des Museums, will noch was loswerden. Die Fluchtwege freihalten, bitte. Falls es sich Künast doch noch anders überlegt? Nee, wegen der Sicherheit. Ach so. Endlich, 18.23 Uhr. Einmarsch Künast. Ab durch die Mitte. Hoha-Rufe, eher sittsamer Applaus. Eine rothaarige Frau verteilt flink grüne Plakate. „Für Berlin.“ Winkelemente.
 
Moment. Hat der Ströbele da gerade tatsächlich, als er eines nehmen soll, den Kopf geschüttelt? Ist wohl aus dem Alter raus.
18.29 Uhr. Stille, Spannung. Wie man so sagt: Jetzt muss sie liefern. Künast, schwarzer Hosenanzug, weiße Bluse, offener Kragen, ist angespannt. Sieht jeder, fühlt jeder. Versteht jeder. Ihre wohl wichtigste Rede. Und da, am Revers, was ist denn das? Doch, wirklich, der Berlin-Bär. Klein. In Grün …
 
Den gesamten Text von Erik Heier lesen sie in der aktuellen tip-Ausgabe 24/2010.
 
Foto: Markus Wächter

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