Stadtleben

Will Felix Herzog Wowereit stürzen?

Foto: Benjamin Pritzkuleit

Wenn man sich eine Weile mit Herzog unterhält, fallen immer wieder fast beläufig Sätze, aus denen unschwer hervorgeht, dass da einer nicht einfach aus Jux mal eben ein Volksbegehren nach dem anderen lostritt. Dann sagt Ex-SPDler Herzog, jetzt in einem Café im Schillerkiez, solche Dinge wie: „Als ich 14 war, konnte ich mir vorstellen, Bundeskanzler zu werden.“ Oder: „Wenn ich bei den Piraten wäre, würde ich dort eine herausragende Rolle spielen wollen.“

Sätze, die man leicht als etwas durchgeknallt in die Ablage tun kann, die aber oft Sinn ergeben, wenn man sie von der anderen Seite her denkt. Vom Ende aus. Herzogs Denkweise ist strategisch. Gegen Wowereit, sagt er offen, greife er eine „gefühlte Mehrheitsstimmung“ auf. Man kann das populistisch nennen. Oder aber konsequent. „Ich mag es, Sachen anzustoßen und zu hoffen, dass andere mit dem Anstoß weitermachen.“

Wie man ihn auch später am Abend, im Nachbarschaftstreff Schillerkiez beim Plenum der Bürgerinitiative 100 % Tempelhofer Feld, auf einem Tisch an der Wand sitzen sieht: im Hintergrund, still zuhörend, dabei verstohlen Zigaretten drehend. Während sein Vorgänger als Vorstandschef im Verein, der doppelt so alte Hermann Barges, auch ein knappes Jahr nach seinem nicht ganz freiwilligen Rückzug wie selbstverständlich das Wort führt, Debatten zur Strategie für den Volksentscheid am 25. Mai mit Verve ausgefochten und hin und wieder auch mal regelrecht persönlich werden. Nur selten greift Herzog ein, mit ruhiger Stimme. Dann aber immer sehr bestimmt.

Es ist nicht so, dass ihm das freie Tempelhofer Feld nicht am Herzen liegen würde. Aber sein Fernziel, das hat er am Vormittag im Cafй erzählt, ist ein anderes Volksbegehren. Eines für politische Teilhabe aller, mehr Bürgerbeteiligung. Diese Idee habe er seit einem Jahr im Kopf. Und das Tempelhofer Feld? Wowereit? „Beides sehe ich mehr als Übung an“, sagt er. „Als Lernprozess.“

Noch gibt es von ihm keinen Wikipedia-Eintrag. „Freiwillige vor ;-)“, schreibt Felix Herzog auf seiner Webseite. Es klingt so, als sei er überzeugt, er wäre langsam überfällig, dieser verdammte Eintrag.

 

Volksentscheid für den Erhalt des Tempelhofer Feldes

Nach dem erfolgreichen Volksbegehren findet der Entscheid am 25. Mai parallel zur Europawahl statt. Zur Abstimmung steht der Gesetzesentwurf des Vereins Demokratische Initiative 100 % Tempelhofer Feld, der eine vom Senat angestrebte Randbebauung unter anderem mit der Zentral- und Landesbibliothek und knapp 5.000 Wohnungen verbietet – und von allen Parteien im Abgeordnetenhaus abgelehnt wird.
Weitere Infos unter: www.thf100.de

Volksbegehren für die Neuwahl des Abgeordnetenhauses

Für den Antrag sind 20?000, für das Volksbegehren selbst dann rund 500?000 gültige Stimmen notwendig. Dahinter steht die von Felix Herzog und Martin Wittau gegründete Initiative APE – Außerparlamentarische Ergänzung. Für die erste Stufe veranschlagt die Initiative zwei Monate. Dann könnte das Volksbegehren starten.
Weitere Infos unter www.wowereit-ruecktritt.de

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