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Wir AG: Mehrgenerationenhaus „Luisenhain“ in Tornow

Gruendungsteam LuisenhainIn den 70er und 80er Jahren schloss man sich vor allem als Kollektiv zusammen, betrieb Kneipen und Malerläden, bei der „taz“ gab es einen Einheitslohn, und die Besetzer der Ufa-Fabrik lebten und arbeiteten ohne Chef. Heute, ungefähr eine Generation später, gibt es zwar immer noch Kollektive – wie die Kneipe Straßenbahn am Rüdesheimer Platz. Doch die bevorzugte Organisationsform sind Vereine und Bürgerinitiativen. Unpolitischer sind sie deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil, wie die Beispiele Internetradio Multikult, das Volksbegehren Kita oder der Mellowpark zeigen. Und auch im Kulturbereich gilt nach wie vor die Berliner Formel: Gemeinsam trotzen wir der Krise – und schaffen neue Theater, Galerien und Magazine. Oder ein Mehrgenerationenhaus in Tornow.

Die ersten Menschen sind bereits eingezogen. Die ersten Wollschweine auch. Und letzten Herbst wurden bereits mehrere Grundsteine fürs geplante Mehrgenerationenhaus gelegt. Lothar Gütter (51) ist deshalb guter Dinge: „Wir sind auf dem Weg“, sagt der Schöneberger Gymnasiallehrer (Deutsch und Geschichte) über sein ambitioniertes Projekt „Luisenhain“. Im kleinen Örtchen Tornow soll in den kommenden Jahren eine neue Heimat für rund 200 Menschen entstehen, die hier am Rande der Schorfheide rund 50 Kilometer nördlich von Berlin gemeinsam leben und arbeiten wollen. Ökologisch und autark: Ein Tagungszentrum ist genauso eingeplant, wie Anbauflächen, eine eigene Schule und („vielleicht in fünf Jahren“) ein eigenes Biomassekraftwerk. „Das war schon immer ein Traum“, sagt Gütter. Für die Verwirklichung hat er seinen Lehrauftrag auf die Hälfte reduziert und kümmert sich jetzt mit fünf weiteren Planern um den Aufbau seines Ökoparadieses. Und er legt Wert auf Professionalität: Keine Neu-Hippies sind hier am Werk sondern Profis: „Wir haben einen Betriebswirt, Sozialarbeiter und Consulting-Experten im Team“, betont Gütter, der mit dem Luisenhain ein „eher bürgerliches Publikum“ ansprechen will.

Die Vorbilder fürs gemeinsame Leben und Arbeiten sieht er dann auch nicht bei den Kommunen der 70er, sondern „eher bei den Kelten, die auch in Sippen von bis zu 200 Menschen gelebt haben.“ Mit vielen Vorteilen: „Das ist auch eine Art die Gesamtbetriebskosten jedes Einzelnen zu senken“, sagt Grütter pragmatisch, „jeder hat seinen Privatbereich, aber es muss ja nicht jeder eine eigene Küche haben.“ Zur Verwirklichung der Idee wurde jetzt eine Genossenschaft gegründet. Denn die Lui­senhainer (die sich nach der preußischen Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz benannt haben) wollen noch mehr: Zwischen dem Hof und Berlin soll eine Art „ökologisch-spirituelle Hauptschlagader “ entstehen. Brandenburger und Berliner Praxen, Therapeuten, Bauernhöfe und Läden sollen sich unter dem Dach der Genossenschaft zu einer Marketingagentur zusammenschließen. Von der Kartoffel bis zum Coaching will die Gemeinschaft dann alles anbieten.

Text: Björn Trautwein

Infos: www.im-luisenhain.de

Weitere Wir AGs stellen wir im tip 05/08 ab Seite 22 vor

 

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