Stadtleben

Wo waren Papst?

Man muss überhaupt nicht mit Rolf Hochhuth einverstanden sein, der mit seinem Stück „Der Stellvertreter“ 1963 über die Handlungen und Nichthandlungen des Papstes Eugenio Pacelli – Papst Pius XII. – während des Nationalsozialismus eine Debatte anstieß, die auch heute nicht zu Ende ist.

Man sollte sich aber durchaus mit den Dokumenten beschäftigen, die der Vatikan inzwischen über den Papst freigegeben hat. Die Ausstellungsmacher haben einiges zusammengetragen, das deutlich macht, dass der damalige Papst keineswegs ein Steigbügelhalter der Nazis war, sondern ein Mann, der auch öffentlich die Verbrechen der Nazis verurteilt hat. Man kann auch alle Rechtfertigungen zitieren, warum der Papst nicht öffentlich protestiert hat, weil ihn die Verfolgten baten, davon abzusehen, es würde ihr Schicksal nur verschlimmern.
Man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass den Papst eine Reihe angesehener Persönlichkeiten wie Golda Meir und Ernst Reuter in Schutz nahmen. Aber diese Ausstellung lässt einen doch verblüfft zurück, wenn sie deutlich macht, wie gut der Papst, der zuvor als Nuntius in Deutschland gelebt und gearbeitet hatte, die Deutschen und auch die Nazis kannte.

Es ist eben nicht so, dass man erst gegen Ende des Krieges mit der Judenverfolgung begann. Wer es wissen wollte und nicht wegsehen, hat nach der Machtübernahme 1933 die schleichend zunehmende Verfolgung der jüdischen Bevölkerung wahrnehmen müssen.
Man kann natürlich jetzt nicht jedermann in Haftung nehmen für das Schweigen. Aber der Papst war und ist nicht jedermann. Deshalb kann man sicher zu dem Schluss kommen, dass der Papst moralisch versagt hat, weil er gewusst oder doch mindestens geahnt haben konnte, was auf die Juden Europas zukommen würde: der Holocaust. Verblüffend ist aber auch, und das spricht gegen die katholische Kirche als Institution, dass der aktuelle Papst nicht einem Bischof die Hand reichen durfte, der genau diese Tatsache leugnet.    

Text: Qpferdach

Die Papstausstellung
Schloß Charlottenburg, Neuer Flügel,
Mi-Mo 10-17 Uhr, bis 7.3.2009

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