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Wolfgang Janzer über sein bedrohtes Jugendzentrum „Manege“

Wolfgang_JanzerWolfgang Janzer, Sie und Marta Galvis de Janzer als Vertreter von Fusion e.V. haben bislang das Jugendzentrum Manege gegenüber der ehemaligen Rütli-Schule betrieben. Jetzt wird das Haus vom Bezirksamt neu ausgeschrieben, Sie wollen sich nicht mehr bewerben. Warum?
Wir haben das Haus, so wie es jetzt ist, in 14 Jahren aufgebaut. Wir haben hier weitaus mehr als Jugendarbeit, wir haben ästhetische Sozialraumgestaltung im Sinne der „Sozialen Skulptur“ von Joseph Beuys gemacht. Wir haben Vertrauensbildung in den Kiez gebracht, es ist ein Netzwerk mit zahlreichen Familien entstanden, wir sind Kooperationen mit anderen Akteuren im Kiez eingegangen, und es hat sehr erfolgreiche und vielfältige Projektarbeit stattgefunden. Dass dann aus heiterem Himmel so eine Ausschreibung kommt, zeigt, dass diese Arbeit in keinster Weise wertgeschätzt wird. Der zweite Grund ist, dass die Autonomie dieser offenen Jugendeinrichtung im Rahmen der Campus-Rütli-Konstruktion zunehmend verloren geht. Schule ist absolut dominant, die Leitung des Campus Rütli will so auch bei der Personalauswahl in der Manege das letzte Wort haben. Der dritte Grund: Wir waren immer unterfinanziert.  Das soll trotz massiv erhöhter Anforderungen – offene Jugendarbeit plus Zusammenarbeit mit der Schule plus Verlängerung der Stundenzahlen hier – beibehalten werden.

Wie viele Leute sind in der Manege tätig?  
Wenn man den Standard, den wir gesetzt haben, halten will, geht das nicht unter sechs Leuten: Wir haben die Kunstwerkstatt, das Tonstudio, die Theatergruppe, den Sport- und den Filmbereich. Die Kinder und die Eltern erwarten dieses Angebot, das ist die Ursache des Erfolgs der Einrichtung. Wenn diese Standards nicht finanziert sind, dann kann man hier keine Jugendarbeit machen, die diesen Namen verdient.

Kann man eure Erfolge messen?  
Das fängt bei der Optik an: Die Manege ist unübersehbar, wir haben auffällige Farben und Formen ins Grau gebracht. Das änderte die Stimmung im Kiez. Hier laufen jeden Tag Hunderte von Kindern vorbei, Schüler, Kita-Kinder. Die bleiben vor der Fassade stehen  und staunen: Oh, ein Tiger, oh, ein Affe. Das sind positive Erlebnisse, auch wenn sie kaum messbar sind. Würde man außerdem im Polizeiabschnitt 54 fragen, bekäme man mit, dass es in diesem Kiez jetzt sehr viel weniger Straftaten von Jugendlichen gibt. Die Jugendlichen und Familien, die die Manege um sich geschart hat, haben hier gelernt, dass es Regelsysteme von friedlichem Umgang miteinander gibt. Auffällig ist auch, dass die Zeugnisse der Kinder im Lauf der Jahre besser geworden sind. Es gibt jetzt auch Migranten-Jugendliche, die aufs Gymnasium gehen. Die bringen sich hier ein, machen in unserer Theatergruppe mit, sind in ihrem Kiez aktiv, mischen sich ein.

Wie geht es mit der Manege und den Jugendlichen nach eurem Abschied weiter?  
Es gibt einige Bewerber für das Haus. Tatsache ist, dass ein Mitarbeiter von uns und ein Manege-Jugendlicher in dem Auswahlgremium für die neuen Betreiber beteiligt werden. Die Manege-Jugendlichen hatten sich das durch einen Auftritt im Jugendhilfeausschuss erkämpft. Ich kann nur hoffen, dass das Haus für die Jugendlichen als „ihr Haus“ erhalten bleibt.   

Interview: Eva Apraku
Foto: Oliver Wolff

Jugendclub Manege
Rütlistraße 1–3, Neukölln,
Tag der Offenen Tür: 9.6., ab 15.30 Uhr,
www.fusionstreet.com

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