Stadtleben

Wowereit

Es ist schon lange her – aber ich habe mal Wahlkampf für Klaus Wowereit gemacht, zumindest ein bisschen. Ich durfte damals die Berlin-Seite der „Süddeutschen Zeitung“ leiten, und wenn es irgendwie ging, wurde dort auf alles, was CDU-nah war, draufgehauen. Wozu man angesichts der Berliner CDU gar nicht mal sehr links sein musste. Es gab damals den Bankenskandal, Eberhard Diepgen und einen Bürgermeisterkandidaten, der Frank Steffel hieß, Teppiche verkaufte und sich hinter Edmund Stoiber versteckte, als am Alexanderplatz die Eier flogen. Das Bild haben wir natürlich sehr groß gedruckt.

Wowereit war so ziemlich der einzige Berliner Lokalpolitiker, der in der „SZ“ gut wegkam. Er muss das aber irgendwie anders gesehen haben. Denn als wenig später die Berlin-Seite wegen Sparmaßnahmen eingestellt wurde, sprach Wowereit abends auf einer Veranstaltung von Universal Music und sagte dort, dass es gut sei, dass die Berlin-Seite endlich dichtgemacht werde. Dort sei Berlin immer schlecht gemacht worden.

Wowereit als Wachsfigur bei Madame Tussauds
Foto: Madame Tussauds

Seitdem rätsele ich nicht nur, ob ein Bürgermeister die Entlassung von zehn Arbeitskräften begrüßen sollte, sondern auch, ob man Berlin mies macht, wenn man Wowereit lobt. Ich denke: Da ist was dran. Berlin hat nämlich mehr verdient.
Berlin ist schon mal deutlich schneller als sein Bürgermeister. Auf Klaus Wowereits Homepage stehen noch Auszüge aus seiner Neujahrsansprache. Er sagte darin, dass die Weichen für 2008 gestellt sind. Am 19.1. hat er der Homepage zufolge Roland Koch davor gewarnt, die Jugendkriminalität zum Wahlkampfthema zu machen – er hatte ja im August 2006 angekündigt, sich stärker in die Bundespolitik einzumischen. Und am 28.2. hat er Klaus Staeck zum Geburtstag gratuliert. Ich denke, dass Wowereit mit dem Jahr 2008 bislang ganz zufrieden ist.

Ganz oben steht übrigens als wichtigste Meldung, dass er für das Wachsfigurenkabinett vermessen wurde, rechts daneben wird auf das Erscheinen seiner Autobiografie hingewiesen. Das Buch ist vom September letzten Jahres.

Noch nichts fand sich dort vorige Woche zu dem neuen Berlin-Claim: „be Berlin“, bei dem man sich fragt, wie man denn ist, wenn man wie Berlin ist: Pleite? Schnoddrig? Vergleichsweise billig? Ich weiß nur: Wenn „be Berlin“ auch heißt, wie Wowereit zu sein, finde ich den Claim nicht so gut.

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