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Clubkultur

Hoffnung fürs Yaam: Politiker bekennen sich zu langfristigem Erhalt

Seit Jahren bangt das Yaam um seine Existenz. In seinem 25-jährigen Bestehen musste das Kulturzentrum bereits vier Mal umziehen. Auch das aktuelle Gelände an der Schillingbrücke steht immer wieder auf der Kippe, teils sprichwörtlich. Nun hat sich die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg in einem Beschluss zum Erhalt und der Absicherung des Standorts bekannt.

Kulturelles Kleinod inmitten komerzieller Neubauten: Das Yaam-Gelände an der Schilling-Brücke. Foto: Imago Images/Hoch Zwei Stock/Angerer

Positive Schlagzeilen in Verbindung mit Clubkultur sind mittlerweile Mangelware. Der Youth African Art Market, besser bekannt unter dem Akronym YAAM, war 2020 nicht nur pandemiebedingt eingeschränkt.

So verwandelte die baufällige Spreemauer zuerst einen Großteil des für Außenbestuhlung und Gastronomie wichtigen Geländes in Sperrgebiet. Wenig später wurde dann auch die YAAM-Haupthalle wegen ihrer Ufernähe gesperrt und versiegelt. Auch der Mietvertrag droht 2024 auszulaufen. Der allseits beliebte Club ist bei weitem nicht nur Feier-, sondern auch Sportstätte, Galerie, urbaner Garten, bietet Workshops für Kinder und Erwachsene, ist Mittler zwischen Kulturen und sicherer Ort für Minderheiten.

Per Bezirks-Beschluss geadelt: Das YAAM gilt als außerordentlich wichtig

Dieses kulturelle Gewicht bekommt jetzt Rückendeckung aus der Politik: Die BVV Berlin gab einem gemeinsamen Antrag der Grünen und Linken statt und bekennt sich „ausdrücklich zum YAAM […] als für den Bezirk außerordentlich wichtigen und langfristig an seinem gegenwärtigen Standort an der Schillingbrücke abzusichernden Jugend- und Kulturstandort.“

Es scheint, als gebe es politischen EInhalt: Der BVV-Beschluss gibt dem YAAM zwar nicht die Terrasse frei, aber immerhin Verhandlungssicherheiten. Foto: Imago Images/PEMAX

Aus der Drucksache geht weiter hervor, dass das Bezirksamt mit der Schaffung dazu notwendiger Voraussetzungen beauftragt werde – ein Ausblick auf Unterstützung seitens der Senatsverwaltung wird, falls notwendig, auch in Betracht gezogen.

Als Begründung nannte die BVV insbesondere die kulturelle Bereicherung, die das YAAM dem Bezirk bietet und seine integrative Bedeutung durch den partizipativen Charakter des Angebots sowie die Beratung und Unterstützung von geflüchteten Menschen. Die Betreiber*innen bräuchten Planungssicherheit – zumal viele Bauvorhaben bislang stets durch das unsichere Mietverhältnis aufgeschoben wurden.

Erleichterung bei den Betreiber*innen: Der Weg zum langfristigen Mietvertrag scheint geebnet

Geoffrey Vasseur aus der Geschäftsführung der zuständigen Spreekultur GmbH zeigt sich erleichtert. Zwar hätte der Beschluss in erster Linie einen symbolischen Charakter, aber es sei eine politische Legitimierung. 

Stillstand im Winter, Hoffnung auf das Frühjahr: 2021 scheint für das YAAM gut zu beginnen. Foto: Imago/Emmanuele Contini

Von Gängelung seitens des Bezirksamtes möchte er nichts wissen – man stehe in intensivem Austausch, lässt er verlauten und sagt weiter, er vertraue auf die Gutachten und die Notwendigkeit der behördlichen Bau- und Sanierungsmaßnahmen auf dem Gelände. Den Schritt des Vereins an die Politik habe das Bezirksamt zudem seinerseits begrüßt.

Nun sei zumindest das theoretische Rüstwerk für einen langfristigen Mietvertrag geebnet, so Vasseur. Trotz widriger Umstände zeichnet er, dessen Firma abseits von einzelnen Abschlägen noch auf die Bestätigung der staatlichen November- und Dezemberhilfen wartet, einen positiven Ausblick: „Es ist eine Hängepartie, aber bisher hats geklappt und wir gehen davon aus, dass es auch weiter klappt“


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Der Standort des YAAM scheint wieder sicherer, aber die Pandemie lässt Clubs weiter im ungewissen: Mit diesen Sorgen sehen sich Clubbetreiber*innen im Lockdown konfrontiert. Einige Feierstätten haben andere Nutzungsmöglichkeiten entdeckt: Im KitKat kann man sich zum Beispiel auf Corona testen lassen. Nicht immer herrscht unter den Parteien im Bezirk Einigkeit: Open Airs wurden zum Streitpunkt zwischen SPD und Grünen.