Stadtleben

YouTube will Musikvideos sperren

Seit Ende März droht YouTube damit, Musikvideos in Deutschland zu sperren. Doch es gibt Alternativen

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In den unendlichen Weiten des World Wide Web könnte die Freiheit grenzenlos sein –, wenn nicht immer wieder Rechtestreitereien dazwischenkommen würden. Jüngstes Beispiel: Das beliebte Videoportal YouTube hat Ende März angekündigt, für deutsche Surfer Musikvideos zu sperren. Hintergrund ist ein Streit mit der Verwertungsgesellschaft GEMA, die mehr Geld für jedes Sehen eines Videoclips verlangt. YouTube-Mutterfirma Google hat in den USA zwar einen Vertrag über die Aufteilung von Werbeeinnahmen im Umfeld von Musikvideos mit verschiedenen Plattenfirmen, doch der im November 2007 gestartete deutsche Ableger youtube.de hatte nur eine bis Ende März gültige Absprache mit der GEMA getroffen.

Die Positionen scheinen unvereinbar: die GEMA verlangt einen Cent pro Abruf eines Videos, was für ein kostenloses Portal ein Verlustgeschäft darstellen würde. Für Außenstehende ist das auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar: Musikvideos sind primär Werbeclips für Bands, die einst erfunden wurden, um zum Kauf ihrer Platten anzuregen und den Bekanntheitsgrad eines Künstlers zu steigern. Natürlich ging es der Musikindustrie schon mal besser, aber in diesen Zeiten wurde auch viel Geld verprasst, und nicht zuletzt der Erfolg von iTunes zeigt, dass Leute immer noch dazu bereit sind, für Songs Geld auszugeben.

Andererseits vertritt die GEMA direkt die Interessen der Künstler, und auch der VUT, der Verband von Indiefirmen wirft YouTube mittlerweile Fehlinformationen vor und mangelnde Bereitschaft, einen Kompromiss herbeizuführen. Der Streit solle gezielt auf dem Rücken der Nutzer ausgetragen werden, um öffentlichen Druck zu erzeugen. Bisher hätten Songschreiber keinen einzigen Cent für Millionen von Abrufen erhalten.

Dabei gibt es einfache Alternativen: Viele Plattenfirmen stellen Musikvideos kostenfrei auf ihre eigenen Websites, um deren Werbeeffekt zu nutzen. Suchmaschinen wie www.findvideos.com helfen, das Richtige zu finden, und auch Musiksender wie MTV oder Musikseiten von Yahoo oder MSN bieten Clips kostenfrei an – nicht zuletzt auch MySpace. Bleibt abzuwarten, wann doch noch eine Einigung erzielt wird –und ob tatsächlich Sperrungen eingerichtet werden.

Text: Claudia Wiegand

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