Kommentar

„Zweite Etage“ von Erik Heier

Berlins private Immobilienfachkräfte kriegen dieses Weihnachten die Rute. Mit dem Stadtsoziologen Andrej Holm macht die linke Bausenatorin Karin Lompscher einen der profiliertesten Gentrifizierungskritiker zum Staatssekretär für Wohnen, der die Rigaer Straße 94 mag und eine hohe Spekulationssteuer für den Handel mit bebauten Grundstücken einführen möchte.

Erik Heier

Das wäre doch mal ein Richtungswechsel! Überhaupt: die Staatssekretäre. Während sich in den Chefetagen Bürgermeister Michael Müller (SPD) gerade mühevoll durch die Tage schleppt und vorerst allenfalls Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) und Kultursenator Klaus Lederer (Linke) einen gewissen Unterhaltungswert versprechen, steigt womöglich die zweite Etage der Macht zur spannendsten Regierungsebene der Stadt auf. Unter der verwaltungsunerfahrenen Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für die Grünen) kann Pankows meinungsfreudiger Ex-Stadtrat Jens-Holger Kirchner nun stadtweit nach Füßen suchen, auf die er bislang noch nicht getreten ist. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) überrascht mit zwei Staatssekretären ohne grünes Parteibuch. Einer davon, Henner Bunde, ist obendrein in der CDU. Senatskanzleichef Björn Böhning hat gerade in der Lageso-McKinsey-Geschichte ein Ermittlungsverfahren am Hals. Und Müllers neue Staatssekretärin Sawsan Chebli, bisher Vize-Sprecherin im Außenministerium, bringt nicht nur als Kopftuch-Befürworterin einiges Potenzial für Kontroversen mit.

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