• Stadtleben
  • Zwischen Disko und Dispo, Folge 102: Mit dem Partner im Crackers

Stadtleben

Zwischen Disko und Dispo, Folge 102: Mit dem Partner im Crackers

 

 

Bin nicht mehr Single und der aktuelle Pärchenmodus lässt
derzeit ausschließlich Partybesuche im Doppel zu. Unterhaltungen werden
nur noch in der „Wir“- , statt in der „Ich“- Form geführt, und früheres
Gebaren, wie in loser Klamotte auf der Lautsprecherbox hüftschwingen
oder mit fremden Menschen im Arm auf der Tanzfläche rumkrakelen, wird
nun durch Barhockerplausch mit dem Partner eingetauscht. Ab drei Uhr
ist man meistens schon sehr schläfrig, beobachtet vielleicht noch einen
Moment aufgeregte Menschen bei der Paarwerbung, bevor man sich, gekleidet in farblich aufeinander abgestimmter Garderobe, müde winkend entfernt.
Es
kann eigentlich gar nichts imageschädigenderes für einen Partyreporter
geben, als eine feste Beziehung, schließlich erwartet man von der
‚Partysau‘ einen authentischen Lebenstil, was bedeutet: 98 Stunden am
Tag saufen, rauchen und feiern, gern mit Hang zum moralisch
bedenklichem Verhalten – doch statt Iggy-Pop-Attitüde sind es nun Rosamunde-Pilcher -Roman-Fantasien,
die meinen Alltag dominieren. Glücklicherweise ist auf die Hauptstadt
verlass und selbst in den ganz großen Krisenzeiten des
Nachtlebenreports- private Harmonie, ausgeglichener Kontostand,
geringer Alkoholkonsum- birgt die Nacht stets Unverhofftes. Das
Saisonopening des Crackers bildete da keine Ausnahme, auch wenn es
zuerst nicht danach aussah: im Gedränge Torstraßenpeople in „America
Apparel“- Garderobe, Agenturbetreiber, Teilzeitmodels und Fashionblogger.
Ich fand das alles jetzt nicht so wahnsinnig spannend, wollte es
meinem Partner aber nicht mitteilen, da der immer wieder nette Worte,
mal für die schöne Terrasse, dann fürs angenehme Publikum fand. Ich
glaube übrigens den ausdruckslosen Rainer Maifert (Schauspieler) im
Gewühl gesehen zu haben und ich schreibe das auch nur, damit sie
zumindest eine Prominente Person hier im Text erwähnt finden. Über dem
DJ-Pult leuchtete überdimensional die Ziffer 30, möglicherweise ein
Hinweis auf das Durchschnittsalter der Anwesenden.

Der DJ legte Dubstep auf während eine Kollegin von der Bunten
mich auf das Ereignis des Tages hinwies, das als Flashmob organisierte
‚Le Diner en Blanc’- zu dem sich vierhundert Berliner weiß gekleidet
zum gemeinschaftlichem Essen auf dem Bebelplatz verabredeten, ich wäre
fast eingenickt. Dann endlich kam mein Partner mit der Idee nach hause
zu gehen, ich wollte noch kurz aufs WC und dann mit ihm
verschwinden – endlich! Vor dem Toilette standen dann allerdings 15
Leute in der Schlange. Die Toiletten seien verstopft munkelte man, die
Spülung defekt. die Gesichter der Leute, die aus den WC- Kabinen kamen,
ließen auch nichts Gutes ahnen. Leider hatte ich einige Biere getrunken
und der Besuch war unaufschiebbar. Als ich an der Reihe war, fiel mein
Blick auf ein toilettenpapierverstopftes WC. Unbeeindruckt, weil in
höchster Eile brachte ich mich in Position, um den Dingen freien Lauf
zu lassen, als mir plötzlich der Atmen stockte. Ein Schwall kaltes
Wasser platschte aufs nackte Gesäß, um sich anschließend im Wäschekneul
unterhalb der Schenkel zu sammeln.

Die kaputte WC-Spülung
schien nun, unter Hochdruck, wieder zu funktionieren, ohne das ich
einen Knopf oder irgend etwas gedrückt hätte. Es war wirklich eine
menge Wasser und ich fand die Sache äußerst unangenehm. Mit ernster
Mine und beachtlichem Nässefleck im Schritt, steuerte ich
anschließend auf die Tanzfläche, um mich hier notdürftig trocken zu
Tanzen. Dabei bewegte sich der Partner, wohl als blickschutzbildende
Maßnahme, stets dicht hinter mir. Die Dubsteptunes in Kombination mit
dem nassen Gesäß wirkten schon auch belebend, sogar die Stimmung hellte
sich notgedrungen auf. Trocken war die Hose dann gegen 8 Uhr- beim
verlassen des Clubs. Die Toilette wurde inzwischen repariert, ins Crackers muss ich trotzdem nicht noch mal.

Mehr über Cookies erfahren