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Stadtleben

Zwischen Disko und Dispo, Folge 104: Besuch aus Westdeutschland

Stuhl: kaputt

Gleich vorneweg: Die sieben Männer aus Homburg sind okay, und gehören nicht zum Typus ‚leicht beeindruckbare Landeier’, die Berlin per se total geil finden. Jan feiert Geburtstag. Es gibt Sushi und Tschunk – ein Gemisch aus Clubmate und Rum. Ungefähr zeitgleich,  als Jemand in der Küche besoffen mit dem Plastikstuhl zusammenbricht und vor Lachen nicht mehr aufstehen kann, kommt Homburg-Helmut mit der Frage, wo man denn noch hingehen könne, er wäre fürs Berghain. Natürlich ist jetzt der entscheidende Hinweis des Partyreporters gefragt,  „Hate-Party“ in der Villa sag ich und wir machen uns auf den Weg. Auf der Treppe ruft  Jemand,  er müsse noch mal auf Toilette und  kehrt um,  für immer.
Wir – also sechs Homburger und ich- warten noch eine Weile im Hausflur. Helmut hat die Flasche Rum mitgenommen, Klaus legt sich auf die Stufen,  sagt ein paar unverständliche Worte und schläft ein.

Mit den übrigen fünf Männern werden Taxen bestiegen. Unser  Fahrer ist extrem gut drauf, hat einen Bürstenharrschnitt und die Haut eines Siebzigjährigen, letzte Woche war er zusammen mit seinem Sohn in der Panoramabar erzählt er. 29,80 Euro will er dann, Homburg zahlt. Vor der Villa kommt es zum Eklat. Türsteher spricht zur Herrenrunde: „Ihr nicht.“ Einer wird sauer und brüllt: „ Habe hier zehn Jahre gelebt und bin immer und überall rein gekommen, und hier, in der Scheißvilla nun sowas!“ – Die Tür knallt  zu. Später geh’ ich rein,  vergeblicher Verhandlungsversuch, Homburg ist raus. Als ich den Club verlasse, warten die Jungs schon  am Taxistand, nur der Beschwerdeführer steht noch uneinsichtig vor der Türe. Mit der nächsten Besuchergruppe verschwindet er, der den größten Zoff machte,  im Club, und kommt nicht wieder raus.  
Der Rest – also vier Männer und ich – fahren weiter in die Ritterstraße, extrem guter Laden da,  erzähle ich, Reinkommen nur mit Passwort. Ich verschweige, dass ich selbst nie da war. Dann stehen wir auf einem Hinterhof mit sechs Eingängen, aus dreien davon ist Musik zu hören. Ratlosigkeit. Ich entdecke ein Schild „Sankt Georg“ und habe ein gutes Gefühl. „Hier geht’s lang, Leute!“ rufe ich. „Sicher?“  wird in Anbetracht des Klientels vor der Türe gefragt- „Hallo? -Wer ist hier der Partyreporter?“  gebe ich chefmäßig  zurück. An der Kasse nenne ich das Passwort „New York“ – keine Reaktion. Ich wiederhole „ New York“,  daraufhin der Kassenmann genervt: „Ist ja gut. Macht fünf Euro“ . Wir zahlen und gehen rein. „ I gotta feeling“ von den Black Eyed Peas läuft gerade. Einige Mädchen tanzen in bauchfreien Tops, die Typen tragen Buggypants oder ein Tuch um den Kopf gewickelt, wie Tupac Shakur. Der Club ist der falsche und ungefähr so undergroundig wie das Matrix, Maxxim oder auch Q-Dorf. Dennoch will Jens bleiben, wegen der schlanken Miriam, die er hier eben an der Bar kennenlernte.
Wir – also drei Männer und ich – gehen ohne Jens los um den richtigen Club zu suchen, fünfhundert  Meter weiter finden wir ihn. Drinnen ists nur halb gefüllt, ein androgyner Röhrenjeansträger legt Hercules and Love Affair auf. Sofort fallen uns die Tabledancestangen  auf der Tanzfläche auf. Halb gelangweilt,  halb übermütig greift ein Homburger zu und klettert hinauf bis an die Decke. Eine betrunkene Competition zwischen verschiedenen Clubgästen entbrennt an dessen Ende sich Jemand aus Homburg den Knöchel staucht.

Wir bringen den Verletzten zum Taxi und fahren selbst, also zwei Männer und ich zum Berghain.  Der unscheinbare Helmut passiert den Einlass,  zum einen verbliebenen, unfassbar alkoholisierten Homburger sagt der Türsteher. „heute nicht“ . Es ist längst hell und wir machen uns auf dem Weg zur Bar 25.  Als wir die Ranche betreten, ist es brechend voll,  jemand feiert Geburtstag, wie immer eigentlich.  „Bin kurz auf Toilette“ sagt der Besuch und wankt los. Warte jetzt seit 30 Minuten an der Bar.

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