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Stadtleben

Zwischen Disko und Dispo, Folge 111: Last Minute

Fliegerbombe

Zwischen Disko und Dispo passt auch ein Lastminute-Urlaub. Also angeschickert nach der Cluberöffnung an den Computer setzen und morgens um vier den Button „Buchung“ klicken für das Sonderangebot Mallorca, Fünf Tage 349 Euro, anschließend Einpennen und am nächsten Tag vernichtende Hotelbewertungen lesen. Hysterisch beim Internetanbieter anrufen um den Urlaub zu stornieren – keine Chance. Eine Woche hoffen auf das Beste, dann Koffer packen und los. ‚Check In’ Schönefeld 3.30 Uhr – geschlafen null.

Tag 1:
Flughafen Palma, Frau mit Schild „Nackarmann“ weist den Weg. Einsteigen in Reisebus, Spanische Comercials im Radio, Motor läuft, Fahrer verschwunden. Fünfzig Minuten Raucherpause. Ankunft Hotel: Katzen-Miauen aus einer Mülltonne, Zimmer stinkt. Einschlafen um direkt wieder aufzuwachen: Baby schreit (oben), WC-Spülung (unten), TV-Game-Show (nebenan). Selbstversuch Autogenes Training nach J. H. Schulz. Probiere Strand zu visualisieren – ohne Erfolg, daher los zum Strand. Windig wirkender Masseur bietet seine Dienste an, muss an Hotelaushang denken, Zitat: „Unser Haus distanziert sich ausdrücklich von Masseuren und deren angebotenen Dienstleistungen am Strand“. Abends am Buffet: Paella und Pommes Frites.

Tag 2:
Aufwachen mit Eintreffen der Putzkolonne 6.30 Uhr. Los zum Supermarkt, Einkauf Familienpackung Ohropax sowie 15 Liter Bier zu Narkosezwecken, danach bewusstlos Zusammensacken am Strand. Mit Sonnenbrand, Stufe 1, Teilnehmer am abendlichen Animationsprogramm „Brasilian Night“. Tänzer bewegt sich MC-Hammeresk von rechts nach links über die Bühne und zurück. Das Buffet wird eröffnet, Schlange stehen für Paella und Pommes Frites.

Tag 3:
Vier Stunden geschlafen und Fluchtpläne schmieden. Hotels in der Umgebung checken – Kriterienpunkte 1 bis 1000: Lärmschutz. Später beim Schwimmen unerwarteter Glücksmoment: Eine winzige Qualle im Meer entdecken und sich auf die kleinen Freuden des Lebens besinnen. Beim Abtrocknen am Strand Schild vorfinden: „Warnung: giftige Nesselquallen“

Tag 4:
Babyschreien und einen Liter Kaffee zum Frühstück. Erholungseffekt, wie nach drei Nächten Panoramabar. Gesamte Lebensplanung umschmeißen: kein Kinderwunsch mehr, dafür abends vertrauter Anblick am Buffet: Paella und Pommes Frites.

Tag 5:
Urlaubsende. Abfahrt Busshuttle 3.30 Uhr, Aufwachen 4 Uhr – Hektikanfall! Mit Taxi zum Flughafen und 120 Euro bezahlen. Bei Ankunft Ausnahmezustand wegen Generalstreik, Rückflug nach Berlin drei Stunden Verspätung. Schlafen auf der Flughafentoilette. Im Flugzeug informiert werden über Zwischenlandung in Leipzig, statt zwei nun vier Stunden Flug. Irgendwann Ankunft in Berlin, drei Kreuze! Letztes Stück nach Haus mit S-Bahn. Überraschender Stopp in Schöneweide, nichts geht mehr. Durchsage: ‚Keine Weiterfahrt wegen Bombenfund‘. Ungläubig mit Koffer am Betriebsbahnhof aussteigen. Nach links und rechts gucken, „Versteckte Kamera“ irgendwo? Auf eine Bank sacken und gegenüber am Restaurant lesen „Heute zehn Tagesmenues!“ – ebenfalls im Angebot: Paella und Pommes Frites.

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