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Zwischen Disko und Dispo, Folge 118: Beste Party, Hochzeitsparty!

 

Hochzeitsfeier

Zwischen Disko und Dispo passt auch eine Hochzeitsparty. Ganz egal, was man von der Ehe halten mag, eine Hochzeitsparty ist die Königin unter den Festivitäten. Sie ist Berghain-Jubiläum, Bar-25-Geburtstag, Fisch-sucht-Fahrrad-Party, Silvester und Abi-Abschlussball in einem und sollte in jedem Leben mindestens einmal stattfinden. Wer es sich leisten kann, macht‘s am besten wie Elizabeth Taylor, Sza Sza Gabor oder auch meine Mutter, und heiratet immer wieder aufs Neue.
Meine eigene Hochzeitsparty fand im Jahr 2000 statt, die Eheschließung mit dem Persischen Musiker und DJ war an Dramatik kaum zu überbieten. Das Konto wurde geplündert, ein Schloss am See angemietet und 200 Gäste geladen.
Ein dutzend Neffen und Tanten flogen eigens aus dem Iran ein, um den in Deutschland lebenden Verwandten und seiner Braut alles Gute zu wünschen. Frisch getraut betraten wir das Schloss,  Adrenalin durchströmte meinen Körper, der Schleier ward endlos und weiß, und von silbernen Miniatur-Seepferdchen im Haar getragen. Die Atmosphäre war über die Maßen feierlich und andauernd weinte irgend eine aufgebrachte Verwandte – vor Freude versteht sich.
Eine Aserbaidschanische Kapelle spielte auf, die Musiker waren phantastisch und meine Schwiegermutter nicht mehr zu halten. Die Fünfzigjährige schnappte sich den Sohn und tanzte den Eröffnungstanz, der ja eigentlich dem Brautpaar gebührt. Mit in-die-Luft -schnipsenden Fingern sprang die 1,50-Meter-große Mini-Ausgabe einer Sophia Loren  übers Parkett,  der Sohn hatte Mühe mitzuhalten. Derweil war ich damit beschäftigt unzählige Hände zu schütteln und Geschenke entgegen zunehmen: aus dem Iran goldene Münzen und Armreifen, aus Deutschland Badezimmerschränke. Später, bei der Eröffnung des Buffets war mein Opa, ein ehemaliger DDR-Oberst, in seinem Element. Seine Tischrede dauerte eine Ewigkeit und erinnerte stark an historische Tonaufnahmen von Parteitagen des ZK der SED.
Es folgte begeisterter Beifall vom Iranischen Blog, dann wurde tonnenweise Kaviar und  Reis aufgetischt. Ältere Damen in Persischen Ballroben saßen neben Transvestiten in abgehalfterten Show-Girl-Outfits, denn auch meine Kollegen aus dem Nachtleben waren vollständig vertreten.
Zu gern hätte ich ein Foto präsentiert, doch leider waren die Fotografen zu betrunken, um brauchbare Bilder zu schießen – lediglich zwei Bilder gibt es vom Fest: eines von der Hochzeitstorte, unscharf und aus Froschperspektive aufgenommen, das andere mit meiner Schwiegermutter, wie sie mit einer Hand die  Backen ihres Sohnes zusammendrückt, so dass er unfreiwillig einen Fischmund in die Kamera macht. Jedenfalls erklommen im Laufe des Abends immer mehr Gäste die Bühne und tanzten Persischen Flamenco oder Zimbeltanz. Der Sekt war dann um drei Uhr alle und der Brautigam verschwand, um Nachschub zu organisieren. Als er im Morgengrauen mit Getränkekartons auf einem Löschwagen der örtlichen Feuerwehr eintraf, war die Party so gut wie zuende – die Ehe dann ein paar Jahre später auch. Letzteres kann man als tragisch bewerten, man kann es aber auch halten, wie mein Ex-Mann und ich es tun: wir finden, die Party war es wert.

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