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Zwischen Disko und Dispo, Folge 127: Ausschlafen, Fleisch, Weltfrieden

Wellblech-WurstDies ist eine Herrentagskolumne, ich schreibe heute nur für Herren.
Gerade friere ich ein bisschen, denn ich trage dieses winzige, rote Jacquard-Spitzen-Dessous und sonst nichts. Natürlich habe ich mich schon länger vorbereitet auf diesen besonderen Tag, habe an der Theke im Supermarkt ein fünfundzwanzig Kilo Paket mit Fleischwürsten und Schweineschnitzel bestellt und bin anschließend zum nächsten, männlichen Bekannten rüber gerannt, um ihm siebzehn Kästen Bier in die Wohnung zu tragen- auf Highheels. An den letzten Wochenenden habe ich in mühevoller Handarbeit Kopfkissenbezüge von verschiedenen Männern bestickt mit dem Emblem ihrer favorisierten Fussballclubs. Ihre Badezimmer tapezierte ich mit Postern früher Aktaufnahmen von Jessica Alba. Ich startete auch eine Umfrage im Internet, denn unbedingt wollte ich wissen, was sie sich sonst noch so wünschen könnten zum Herrentag. Die erste Antwort, die ich erhielt, können sie oben nachlesen in der Überschrift, außerdem wurde Rotwein und Sex erwähnt sowie ein Ruhetag in der Bleiche/Spreewald.
Ich wünsche ihnen hiermit, dass alle ihre Wünsche in Erfüllung gehen!  Sie müssen wissen, ich bin ein großer Männerfan und jedes mal wenn ich im Berliner Berufsverkehr unterwegs bin, beispielsweise in der U -Bahnunterführung „Osloer Straße“ , bin ich überrascht, wie viele attraktive Männer in einer einzigen Stadt Platz finden können.
Leider musste ich feststellen, dass der Herrentag, auch als Vatertag bekannt,  in seiner ursprünglichen Bedeutung als weltlicher Feiertag vor allem im großstädtischen Bereich deutlich gelitten hat. Ihm haftet ein Makel an als Vollpfostenevent bei dem es um Saufen, Rumgröhlen und Bollerwagenschieben geht. In Folge verweigern sich zunehmend Männer den  eigenen Feiertag mit der Begründung ,zu prollig‘. Mich stimmt das betroffen. Natürlich kann auch ich nichts an der Faktenlage ändern, im Interesse tausender Männer möchte ich jedoch eine Korrektur des Blickwinkels vorschlagen. Der Herrentag sollte als das gesehen werden, was er ist: ein auf die Grundbedürfnisse des Mannes zugeschnittenes volkstümliches bis uriges Zeremoniell mit erdender, sowie dem Gefühl „Mann im Verbund“ zuträglicher Wirkung.  Nur, wann ist der Mann ein Mann?- fragte schon Herbert Grönemeyer und gern würde ich ihnen die überfällige  Antwort geben, muss aber Aufgrund der Komplexität des Themas (nicht der des Mannes) leider passen. Stattdessen habe ich mir erlaubt eine kleine Überraschung zu organisieren. Ich habe einen Feuerwerksmeister engagiert, der meine Wünsche an sie heute Nacht, den 9.Mai 2013, in den Berliner Luftraum sprengen wird. Der Sprengmeister ist gebürtiger Japaner und preisgekrönt für seine naturnahen Effekte. Sein Feuerwerk wird über Stunden am Firmament als eine Art ,Sterne, Wolken, Mond‘- Collage  sichtbar sein- in traditioneller, asiatischer Symbolik stehend für ,Ausschlafen, Fleisch, und Weltrieden‘. – Und jetzt müssen sie mich bitte entschuldigen, ich möchte mich anziehen.

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