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Zwischen Disko und Dispo, Folge 144: Ost-Sex, West- Sex, Österreich.


Erotik

Das Jahr beginnt bescheiden mit einer hartnäckigen Erkältung und geringer Erwartungshaltung. Zudem bot mir jemand auf dem Facebook-Profil an, meine Füße abzulecken. Ich nehme dies zum Anlass das Thema Erotik zu behandeln – auch, weil ich nicht über Wulff, „Dschungelcamp“  oder „Mitte-Hipster“-Phänomene sprechen möchte. Dann doch lieber über Sex, diese enorm wichtige und völlig unterbewertete Aktivität! 

Der Eindruck variiert natürlich von Stunde zu Stunde, und, wie sich im weiteren Textverlauf zeigen wird, möglicherweise auch von Ost nach West . Als ich im Kit Kat-Club einen untersetzten Gast (Westen) auf der Tanzfläche beobachtete, wie er seinen erigierten Penis von einer Frau im kurzen Gummikleid (Osten), begleitet von unfassbar billiger Tribal-Technomusik massiert bekam, da schien mir Sex ja auch eher überbewertet – dem Gesichtsausdruck des Mannes nach zu urteilen, lag ich mit meiner Einschätzung allerdings extrem daneben.
Was also könnte ich  zum Thema beitragen, was nicht schon tausende Male auseinander analysiert wurde? Ich hatte da dieses besoffene Gespräch mit einer Freundin. Wir trafen uns zufällig in einer Einkaufspassage, setzten uns in eine dieser ewig gleichen Espresso-Bars und tranken diverse Sekt-Piccolöchen. Gegen 17 Uhr hatten wir dann mächtig einen sitzen und kamen auf dieses Thema. Meine Freundin Luise, wie ich aus dem Osten stammend,  stellte die These auf, das es einen Unterschied gäbe beim Sex zwischen Ost- und Westmännern.
Sie meinte, bei Geschlechtspartnern aus dem Westen in der Abfolge sexueller Handlungen eine Ähnlichkeit zu Dramaturgien in handelsüblichen Pornofilmen beobachtet zu haben. Hingegen bei Ostmännern empfand sie den Ablauf tendenziell freier und experimentierfreudiger gestaltet, was wir uns erst mal gar nicht, und dann mit einer vorausgegangenen Jahrzehntelangen Kommerzialisierung des Sex im Westen erklärten. Bedeutete das Großwerden zwischen Pornofilmen und Erotik-Märkten für den Wessi, seine Freiheit im Bett verloren zu haben? Vielleicht war Luise einfach nur mit den falschen Westmännern intim – wenige waren es jedenfalls nicht. Fakt ist, der Ost-Mann wuchs unbedarfter auf. Ein „Sex als Ware“ gab es nicht in der DDR, bzw. nur in kleinen, für die Masse uneinsehbaren Nischen. Das fehlende Vorgaben mehr Platz für Fantasie und lustige Improvisationen ließen, schien uns nur logisch. Trotz der Bedenklichkeit der Theorie, verlief das Gespräch in der Espressobar äußerst gut gelaunt. Es gab auch keine Lobeshymnen auf den geilen Ostmann, im Gegenteil. Luise ist seit 6 Jahren mit einem Wessi liiert und hat zwei Töchter, so lahm kann der Sex mit dem Westen also nicht sein. Zudem musste ich beim letzten Besuch der Erotikmesse „Venus“ feststellen, dass der Osten die letzten 20 Jahre seit Mauerfall nutzte, sich dem bundesdeutschen Schnitt anzugleichen. Noch nie habe ich so viele Menschen mit Sächsischem Dialekt getroffen, wie an den Porno-Ständen im ICC – einzig im Areal mit  schweren Käfigen und Apparaturen für den S/M- Bedarf dominierten Westdeutsche und Österreichische Händler – mögliche Schlüsse darf hier jeder selber ziehen… muss aber nicht!

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