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Stadtleben

Zwischen Disko und Dispo, Folge 147: Liveact in Pimpow

23.30 Uhr Fahrer hält die Tür auf. Einsteigen in schwarzen Mercedes- Kleinbus, Anlass:  Tourbegleitung des Künstlers Hartmut W.* zum Life Gig ins Umland mit exklusiver Interviewmöglichkeit.  Der stadtbekannte Entertainer verfügt über gute Kontakte in die Theater- und Technoszene und trägt am Abend eine getönte Sonnenbrille. Bin guter Dinge.  

23.34 Uhr Platzieren zwischen Tourmanager und Künstler,  „Play“- Taste vom Aufnahmegerät drücken. Gesprächsauftakt Hartmut W.*:40 Minuten Analyse ,Niedergang der Musikindustrie‘ gefolgt von Aufzählung beliebter Winterskisorte von 1979 – 2011. Dann kurzer Piepton.  Akku vom Aufnahmegerät alle. Den Rest der Fahrt ratlos an einer Flasche Vittel nippen.

01:15 Uhr Aussteigen im perlmuttfarbenen Pailtetten-Jacket und ohne Interview vorm Haus der Genossenschaften. Nachtschwarze Landschaft, keine Menschenseele. Atemluft steigt dampfend in den Pimpower Nachthimmel auf.  „Umpf-umpf-umpf“ – dringt es leise ans Ohr.

 01.17 Uhr Tür geht auf. Securitymann wünscht „N‘ Abend“. Bändchen werden ums Handgelenk geklebt, dann Luft anhalten und rein. „Umpf, umpf umpf!“ – ballert es vom  Hardcorefloor. Um uns Stimmengewirr, gruppendynamisches Gelächter, Carmouflagejacken, T-Shirt mit Aufdruck: „Heul doch“. Wahnsinnsschlange an der Bar,  meistbestellt: Wodka- Redbull. Erleichterung: kein „Thor Steinar“- Shirt in Sicht.

01:20 Uhr Auf dem Weg zum Backstage vorbei an Toiletten und Frauengruppen mit 3-Color-Hair-Extansions. Katy Perry meets Brigitte Bardot meets 1999er Techno-Asthetik. Spüre checkende Blicke im Nacken- locker  bleiben!  Hüne in Bomberjacke klopft Hartmut W. auf die Schulter. Autogrammanfrage…

01.30 Uhr Ankunft Backstage:  oranges Licht, Spiegel an den Wänden. Puderquasten , Kristallaschenbecher und Vodka auf dem Tisch. Veranstalter, halbliegend im Sessel, wird von androgynem Boy geschminkt. Er trägt einen futuristischen  Anzug, selbstentworfen …David Bowie Moment in Pimpow! Hartmut W., der alte Profi, drapiert sich in einem DDR- Sessel, fragt statt nach Champagner, lieber gleich nach Sekt.  

01.40  Uhr Anstoßen mit 0,2 Becher Sekt. Auf der Couch sitzend dem Backstagetalk lauschen: „Muss morgen früh noch zum Baumarkt. Scheisse.“ -Mitarbeiter .  Junge Frau berichtet von Party mit Marusha,  „…überhaupt nicht abgehoben, hat  hier mal  für‘s TV gedreht, hat super geil aufgelegt- beste Party in Pimpow ever! “ Es  klopft. Kokain ist da.

02.00 Uhr Auftritt Hartmut W. -Bühnenpräsenz: Hammer. Partycrowd wirkt insgesamt irritiert wegen stark sinkender BPM-Zahlen sowie W.‘s kurzen Vortrag über die Expo 96…

2.15 Uhr Überraschung. Menschen tanzen, ich auch. Geniale Lichtanlage!  Ein Typ im Pittiplatsch-Kostüm schleicht durch den Saal. Das Partymaskottchen wirkt zurückgenommen, fast gehemmt. Er fragt nach der Uhrzeit. Wir tanzen kurz. Dann die Ansage, ich solle hier warten, er hätte gleich Feierabend.

2.40 Uhr Tourmanager hat den Mantel an, ruft im vorbeigehen „Zack, zack- Auf geht‘s “ Keine Spur von Pittiplatsch!  Hartmut W. steht am Ausgang und schreibt Autogramme. In einer Stunde sind wir back in Berlin.

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