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Zwischen Disko und Dispo, Folge 153: Von Sorgen und Socken

sockeVon offizieller Stelle erhielt ich einen Brief. Schwarze Druckbuchstaben verkündeten auf trostlosem Grau die vernichtende Botschaft. Demnach würde ich, wenn alles gut geht, mit 67 Jahren eine Rente von 346,68 Euro beziehen. Es war überflüssig im letzten Absatz auf einen ,zusätzlichen Versorgungsbedarf‘ hinzuweisen. Als Jemand, der grundsätzlich mit dem Schlimmsten rechnet, sparrte ich längst schon Bargeld in einer alten Herrensocke an, dessen Inhalt ich kürzlich zur Sparkasse brachte. Unauffällig versuchte ich den Transfer „Socke-Automat“ zu vollziehen, dabei ging mehrmals der Strumpf klimpernd zu Boden. Das Tragen einer dunklen Sonnenbrille war nicht unbedingt Ausdruck seriösen Kundengebarens und skeptische Blicke ignorierte ich, so gut es eben ging. Nach gefühlten 2 Stunden war das Geld eingezahlt und ratternd wurde ein Beleg ausgedruckt. Vermerkt war die Transaktionsnummer sowie ein Satz, der mich beunruhigte:

„In ihrer Einzahlung enthaltenes fälschungsverdächtiges Geld wird ihrem Konto nur unter Vorbehalt gutgeschrieben.“

…Fälschungsverdächtig? Eiligen Schrittes verließ ich die Bank. In der folgenden, schlaflosen Nacht grübelte ich, wer mir wann, zu welchem Anlass Falschgeld untergejubelt haben könnte. Am nächsten Morgen ging ich zurück zur Sparkasse und schilderte am Schalter meine Sorge. Ich solle 2 Wochen warten, riet die Bankangestellte, es könnte falscher Alarm sein. „Falls nicht, wird sich die Kriminalpolizei bei ihnen melden“ – beendete sie das Gespräch. Resigniert trottete ich über die Straße. Der lose Lebensstil, das Abhängen in einschlägigen Lokalen…nun würde ich die Rechnung zahlen müssen! Meine Ersparnisse würden konfisziert, und der Geldwäsche verdächtig, würde ich die nächsten Jahre in U-Haft Petitionen zur eigenen Entlassung formulieren…
Vielleicht können sie sich denken, dass die Sache gut ausging und der Verdacht sich nicht bestätigte. Ein Fettfleck auf einer Banknote war Schuld an der Meldung.
Die Sorgen indes sind nicht kleiner geworden, denn nun möchte die Arbeitsministerin an meinen Socken ran. Ab 2012 sollen Freiberufler, wie ich, zu einer gesetzlichen Renteneinzahlung, einem Pauschalbetrag in Höhe von mehreren hundert Euro, verpflichtet werden. Private Ersparnisse -auch aus Socken!- müssten demnach der Versicherung, quasi zur Prüfung, vorlegt werden. Meine eigenen Pläne zur Glücks- und Altersvorsorge, der Hauskauf gemeinsam mit Freunden, wären damit erledigt und obwohl ich eine Rentenversicherung grundsätzlich richtig finde, vertraue ich der Umsetzung durch Frau von der Leyen keinen Meter. Inzwischen habe ich eine Petition hiergegen unterschrieben, auch auf Facebook diskutiert und gestritten – aber ob das reicht? Breiter Protest müsste wohl folgen, damit politisch reagiert würde, Pläne sozial gerecht nachjustiert, und ohne Pauschalbeträge auch flexible Absicherungsmodelle zugelassen würden. Ich hoffe also im ganz eigenen Interesse auf breite Bürgerwut – Sonst blieben am Ende ja nur Sorgen und Socken!

Jetzt neu! Der Blog von Jackie A. als Podcast! Jackie A. liest Jackie A.

Folge 153: Von Sorgen und Socken

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