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Zwischen Disko und Dispo, Folge 155: Powerwutbürgern

BarSeit ich weniger auf Tanzflächen in den Berliner Powerclubs unterwegs bin, sehe ich mich gezwungen, meinen Kreislauf anders fit zu halten. Um als Powerfrau in der Powerhauptstadt bestehen zu können, konzentriere ich mich auf entsprechende Techniken, wie Poweryoga, Powerdancearobic, Powerzumba und  Powerwutbürgern – Letztere wurde in einem kleinen Powersportstudio in Stuttgart während einer gescheiterten Powerpointpräsentation zum Thema Powerpilates, quasi aus der Not heraus geboren. Vor einer Weile schon schwappte der Trend dann nach Berlin, fand jedoch nur wenig Anklang.
Das mag daran liegen, dass nicht jeder zum Powerwutbürgern geeignet ist, Voraussetzung ist eine schnelle emotionale Erregbarkeit und die Bereitschaft, sich auch aus nichtigen Anlässen unsagbar zu ereifern. Anders als beim populären Wutbürgern geht es beim Powerwutbürgern nicht um Politik oder den Wunsch gesellschaftlich etwas zu bewegen. Es zählt der Fitnessaspekt und das Erlebnis „Wut & Power im Kollektiv“. Powerwutbürgern ist ein demokratischer Sport, zu dessen Umsetzung weder Geld noch teures Equipment benötigt wird – der rote Kopf, er ist umsonst! Powerwutbürgern hat auch einen künstlerischen Anspruch und im Zustand höchster emotionaler Erregung eine perfekt pointierte Beleidigung zu formulieren wird nur von wenigen Wutausdruckskreateuren weltweit beherrscht, einer davon lebt bis heute unbehelligt in Pankow. Wen wundert es da, dass die erste Powerwutbürgerweltmeisterschaft für Herbst 2012 in einem Pankower Fitnessstudio angesetzt wurde? Leider bedeutet dies auch, dass nur noch knapp 3 Monate Zeit für die Vorbereitung ist. Ein Internetaufruf vom Restaurant Raja Jooseppi kam hier wie gerufen.
Das Lokal und Powerwutzentrum auf der Brunnenstraße, formierte sich zum Schlag gegen die Ungerechtigkeit, verursacht durch einen Detektiv der Powerverwertungsgesellschaft Gema. Der schlich sich einst ins Restaurant und fand Jemanden, der gebührenpflichtige Musiktitel hörte, wie Snap „The Power“, oder „The Power of Love“ von Jennifer Rush. Eine Zahlungsforderung folgte. Das Restaurant war zu diesem Zeitpunkt nicht geöffnet, sondern wurde als Büro genutzt, hält der Wirt dagegen und nahm sich einen Anwalt . Zum Gerichtstermin lud er per Facebook mit  Powerstichwort „Freibier“, das Posting wurde über 2000 mal geteilt.
Zum großen Powerwutbürgerworkout traf ich um 8 Uhr früh in Sportschuhen ein, das Team der Powerwutsendung Spiegel TV stand schon bereit, sowie ein Fotograf der BZ. Mit dem Kleinbus des Wirts powerten wir zum Amtsgericht. Dazwischen gab es Powerdrinks (Bier) im „Goldenen Löffel“. Der Gerichtssaal war dann gut gefüllt, denn Wut- und Powerwutbürger reisten auch aus umliegenden Regionen an. Der Versuch einer gütlichen Vereinbarung scheiterte in erster Instanz. Resume: nächster Poweryogatermin ist am Mittwoch.

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Folge 155: Powerwutbürgertum

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