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Zwischen Disko und Dispo, Folge 163: Dear Chantalita!

Dear Chantalita

Eintrag ins Gästebuch von „Casa Belmundo“, 9.Oktober 2012

Liebe Chantalita,
Vielen  Dank, dass wir in Deiner Finka im idyllischen Porto Petro unseren Urlaub verbringen durften! Anbei der Hausschlüssel sowie die Batterie des Feuermelders. Wir entfernten sie in der ersten Nacht gegen 2 Uhr, als ein Alarm die Sprenkler-Anlage in Deinem Schlafzimmer auslöste. Mein Freund erlitt dabei fast einen Herzinfarkt, Deine Matratzen jedoch sind auf der Terrasse in der Sonne recht schnell wieder getrocknet! In der Zwischenzeit übernachteten wir auf Deiner schmalen Couch im Wohnzimmer – ich kann Dir sagen, es war ziemlich aufregend! Schlaf fanden wir zwischen den afrikanischen Holzmasken, Schamanen-Trommeln und fotografischen Nahaufnahmen von Reptilien-Augen erst, nachdem wir ein paar Stunden Deinen Fernseher mit den ausschließlich dänischsprachigen Talkshow-Programmen laufen ließen. Mitten in der Nacht dann, sprang mein Freund plötzlich auf und klatschte sich mit der flachen Hand auf alle möglichen Stellen seines nackten Körpers. Als ich noch ganz schlaftrunken das Licht anknipste, sah ich, dass er über und über mit Ameisen bedeckt war. Eine betriebsame Gasse hatte sich vom Lichtschalter direkt zu unserem Schlafplatz gebildet und neben ein paar Kekskrümeln planten die Insekten wohl auch meinen Freund vom Laken zu transportieren. Die spanischen Ameisen sind übrigens um Einiges kleiner als jene, die ich aus Deutschland so kenne, aber Holger bekam überall rote Punkte am Körper. Zum Glück haben wir immer ein paar Aspirin und ein Antiallergikum im Reisegepäck und am nächsten Morgen lachten wir schon wieder! Erst als wir unsere Wandertour starten wollten und Holger in seine Schuhe schlüpfte, wirkte er plötzlich ganz nachdenklich. Offenbar hatte die herrenlose Katze, an die wir am Abend noch den guten Serrano-Schinken verfütterten, zum Dank in einen von Holgers neuen Nike-Turnschuhen uriniert. Die Schuhe, Größe 46, standen noch voller Strandsand auf der Terrasse, die Katze hielt sie wohl für ein passables Kleintier-WC. In Badelatschen erklommen wir dann das Felsmassiv von Formentor. Ich wusste gar nicht, dass die Aussichtsplattform so hoch gelegen ist! Jedenfalls begann Holger auf einmal so seltsam zu zittern und legte sich in einem Anfall von Höhenangst flach auf den steinigen Boden. Hiernach verbrachten wir die meiste Zeit am Tresen der Strandbar und auf Deiner kleinen Terrasse mit Blick auf den großen Pool im Haus nebenan. Am Essenstisch fielen wir immer wieder in Sekundenschlaf, weil der Anblick von Ameisenstraßen und Kakteen in Keramiktöpfen so meditativ ist und auch, weil sich im Olivenbaum hinterm Schlafzimmer eine Kolonie ausgebüchster Hühner laut gackernd ihr Leben im Gezweig einrichtete. Jede Nacht, Punkt 3 Uhr, wurden wir mit einem heiserem „Kikeriki“  über den bevorstehenden Tag informiert, gefolgt von 650 weiteren, sich in Lautstärke steigernden Variationen. Wir schliefen dann einfach bei geschlossenem Fenster. Das Kikeriki hörte man trotzdem. Das Tollste aber kommt erst noch. Stell Dir vor, wir hatten im Flugzeug bei der Lotterie von „Air Berlin“ mitgespielt…und gewonnen! Ich hab noch nie irgendetwas gewonnen! Den Freiflug nach Spanien möchte Holger dummerweise verschenken. Ich hoffe jetzt, er überlegt sich das nochmal.

Viele Grüße von Jackie aus Germany!

Jede Woche neu! Der Blog von Jackie A. als Podcast! Jackie A. liest Jackie A.

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