• Stadtleben
  • Zwischen Disko und Dispo, Folge 167: Ein Geschenk, ein Geschenk!

Stadtleben

Zwischen Disko und Dispo, Folge 167: Ein Geschenk, ein Geschenk!

Wunderschöner GartenzwergEs war einmal ein junger Mensch, der wollte seiner Mutter eine Freude machen mit einem Geschenk. Aufgrund seines geringen Alters – 5 Jahre – verfügte er über keine eigenen finanziellen Mittel und lebte in vollständiger Abhängigkeit von seinen Erzeugern, was ihn unfassbar deprimierte. Weil der Mensch nun Realist genug war, zu wissen, das ein selbstgebasteltes Präsent nichts ist im Vergleich zu einer goldenen Uhr, einem eigenen Raumschiff oder Bergen aus Schweizer Schokolade,  befand er sich in einem Dilemma und es war nur eine Frage der Zeit, wann er auf die schiefe Bahn geraten würde. Eines Nachts, während die Eltern schliefen, schlich er ins Wohnzimmer. Hier öffnete er leise quietschend eine Schranktüre und entwendete, wohl aus Mangel an Alternativen, eine handelsübliche Tüte Erdnussflips. Die Tüte versteckte er im Kinderzimmer bis er sie 3 Monate später, aufwendig verpackt, der Mutter zum Heiligen Abend präsentiere. Zuvor wurde die Wohnung immer wieder vom Flüche murmelnden Vater nach den verschwundenen Flips durchsucht. Der junge Mensch bemühte sich dabei, vorm TV sitzend, möglichst unbeteiligt zu wirken, während das Sandmännchen im Hubschrauber, live vom DDR-Fernsehen übertragen, Landesteile der BRD mit Sonderabfällen in Form von Streugut  überschüttete…  Jahrzehnte später, im wiedervereinigten Deutschland, revanchierte sich die Mutter mit einem Geschenk, das an traumatischem Potential unüberbietbar war. Die Skulptur eines 1,20 Meter großen Gartenzwergs, der in exhibitionistischer Pose mit heruntergelassener Hose im Zentrum der Weihnachtstafel platziert wurde, hielt dröge lächelnd seine Genitalien zur Schau. Daraufhin zog die Beschenkte folgende Schlüsse:

A) Die furchtbarsten Geschenke kommen von denen, die man am meisten liebt.
B) „Danke, das ist ja toll!“ – Der Tag mit der höchsten Lügen-Dichte ist der 24.12.
C) Du sollst niemals Erdnussflips stehlen

Die These des bangladeshischen Nobelpreisträgers Muhammad Yunus steht also auf wackeligem Gerüst, wenn er sagt: „Geschenke spornen niemanden an. Sie machen träge.“  Stimmen sie nicht viel öfter nachdenklich und werfen merkwürdige Fragen auf? Nur selten sind sie genial und von derartiger Schönheit, das man beschließt, seinen Job aufzugeben, um sich zukünftig bequem auf ihren Erhalt zu konzentrieren. 
Es wäre daher nur konsequent, die Tradition des Schenkens endlich einzustellen, oder mindestens eine Art Geschenke-Führerschein zu entwickeln. Menschen dürften dann erst nach 3-Monatiger Schulung und dem Erhalt eines psychologisch anerkannten Präsente-Zertifikats, ihre Gaben verteilen. – Dies wäre ein Schritt in die richtige Richtung, ähnlich wie das dem Heft beiliegende Geschenke-Spezial, bestehend aus sorgsam zusammengetragenen Erfahrungen betroffener Redakteure, die richtig angewandt, uns allen ja nur nützlich sein können…. Ein besinnliches Fest!

Jede Woche neu! Der Blog von Jackie A. als Podcast! Jackie A. liest Jackie A.

HIER GEHT’S ZUM PODCAST: Zwischen Disko und Dispo: Folge 167 – Ein Geschenk! Ein Geschenk!

 

Mehr über Cookies erfahren