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Zwischen Disko und Dispo, Folge 173: Plüschwurstmuseum

Plüschbroiler

„Wo ist dieser Meteorit, wenn man ihn mal braucht?“ – postete letztens Jan B. auf FB und natürlich erkennen sie die Ironie in der Fragestellung, die sich auf einen, nun ja, nicht übermäßig spannenden Tatort am Sonntagabend bezog. Leider stellt sich die Meteoritenfrage derzeit sekündlich beim Blick aus Berliner Fenstern und um Schlimmstes zu verhindern, forschte man in der Tip-Redaktion, dem Berliner Gute Laune Institut Nummer Eins, nach Dingen, die Heiterkeit verursachen – quasi als Erste-Hilfe-Maßnahme, kurz vor dem Stimmungsexitus. Gern möchte ich mich beteiligen und berichten, was mir zuletzt wahnsinnig gute Laune bereitete und soviel vorab: ein Blick auf den Kontoauszug war es nicht. Am Mittwoch betrat ich einem Spielzeugladen. Ich betrete andauernd irgendwelche Geschäfte aber ein Spielzeugladen, das hatte ich längst vergessen, ist kein normales Geschäft. Er ist ein Irrgarten knallfarbener Inspirationen, eine Zeit-Raum-Maschine, die einen in die Welt gummierter Dinos und lebensgroßer Krümelmonster katapultiert, ein Zentrum des Wahnsinns, in dem sich 40-Jährige Frauen „Biene Maja“-Flügel umschnallen und wiehernd an Regalen vorbei galoppieren, während ausgewachsene Männer winzige Brote in Backöfen von Puppenküchen schieben. Mein Partner und ich waren für Stunden nicht mehr ansprechbar. Wir verließen das Geschäft mit der nicht gerade kostengünstigen Nachbildung eines Grillhähnchens. Es besteht aus beigebraunem Plüsch und durch Klettverschlüsse abnehmbare Keulen. Inzwischen verbringt Klaus jede freie Sekunde damit, den Broiler mit Salz- und Pfefferstreuer auf dem Küchentisch für Fotoshootings in Szene zu setzen. Anschließend werden die  Fotos instagrammt und bei Twitter, Google plus und Facebook verbreitet. Menschen aus ganz Deutschland reagierten und schickten Links zu Firmen, die sich auf die Produktion von Plüschlebensmitteln spezialisierten, darunter echte „Thüringer Kuschelklösse“ und Anbieter von Teppichen in Wurstscheibenoptik – Mortadella, Blutwurst, Salami.
Wir denken schon über die Eröffnung eines Plüschwurst-Art-Space nach, mit Streetart-Bockwursten an Häuserfassaden, experimentellen Kurzfilmen von Jan Svankmayer und Hüpfburgen – Achtung, gesellschaftskritischer Tenor! – in Form einer riesigen Fleischlassagne.
Leider ist mit dem Opening nicht vor Sommer 2014 zu rechen und dann kann, wie sie wissen, bereits alles zu spät sein. Daher hier mein Befehl: Suchen sie einen Spielzeugladen auf! Gehen sie da rein! Kämmen sie einem Einhorn das Haar! Setzen sie sich eine Stoff-Krone auf oder drücken sie – dies bitte nur im Ausnahmefall – ein Furzkissen. Sie werden sehen, Meteoriten und Stimmungsverdunkelungen wechseln augenblicklich die Laufbahn…

Jede Woche neu! Der Blog von Jackie A. als Podcast! Jackie A. liest Jackie A.

Zwischen Disko und Dispo: Folge 173 – Plüschwurstmuseum

 

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