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Zwischen Disko und Dispo, Folge 181: Von Kackstelzen und Bartfürzen – eine Schimpfwortsuche

WTF Level

Alles begann mit der Suche nach einem Wort. Ich suchte nach einer adequaten Beschreibung für jemanden, den ich nicht mochte oder, um es direkt zu sagen, extrem scheisse fand. Ein Schimpfwort, dass nicht ordinär seien sollte, jedoch hart genug, um dem/der Beschimpften auch würdig zu sein. Da mein eigenes Schimpfwortrepertoire eher spärlich ausfällt, suchte ich Rat bei Twitter und auf Facebook. Es folgten um die fünfzig Hinweise mit internationalen Beschimpfungsvorschlägen, wie Kackstelze, Kretin, Klappspaten, Vollhorst und Brunzkachel (Fränkisch). Obwohl das passende Wort nicht darunter war, stieg der Heiterkeitslevel mit jedem weiteren Beispiel. Auch die Kommentatoren fanden Spaß an der Suche und ich fragte mich, wieso das Beschimpfen eigentlich so gute Laune verursacht. Ich recherchierte und fand hunderte Abhandlungen zum Thema, eine Deutschlandkarte für regionale Schimpfwörter und einen eigenen Forschungszweig: die Malediktologie. Der amerikanische Germanist Reinhold Aman rief ihn einst ins Leben.
So erfuhr ich, dass fast nie das Wort entscheidend ist, sondern immer der Tonfall, dass, je nach Herkunft, ganz unterschiedliche Dinge verletzend sind, und man anhand der Beschimpfung sogar das Kulturelle Wertesysthem ableiten kann – frei nach dem Motto: „Schimpf mich an und ich sag dir, wer du bist!“ Die Beschimpfung: „Ich furze in den Bart deines Vaters“ ist offensichtlich eine, die kein Europäer kreierte, sorgen hier doch angedrohte Bartfürze eher für Verdutzung. Doch durch das Internet nähern wir uns auch beim Schimpfen an. Konsequenterweise gibt es inzwischen eine Seite, welche die Dynamik von Beschimpungs- und Flüchewellen bei Twitter, den sogenannten WTF-Level, darstellt – in Echtzeit und mit Grafik.  Ich bin ja Fan des Informationszeitalters.
Es gibt vermutlich keinen Ort auf der Welt, an dem nicht geschimpft wird, daher liegt der Verdacht nahe, dass Schimpfen eine gesellschaftliche Funktion erfüllt. Der Forscher Aman wies auf den entspannenden Aspekt und eine gewisse  Ventilfunktion hin. Er zeigte sich in einem Interview besorgt, dass uns aufgrund des hohen Verschleiss und des geringen Zuwachses die Schimpfworte ausgehen könnten. Dann würden wir auf unseren Aggressionen sitzen bleiben, ohne die richtigen Umschreibungen zu finden. Wie Schuhe nutzen sich häufig verwendete Schimpfwörter ab.  Und auch mein Eindruck ist, dass wir Nachschub gebrauchen könnten. Die gesuchte Beschreibung habe ich bis heute nicht gefunden. Daher endet diese Kolumne,  wie sie begann: mit der  Suche nach einem verfluchten Wort!

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