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Zwischen Disko und Dispo, Folge 189: Schnappsidee

Wunderschönes Island

Wenn nichts mehr geht, ist es Zeit für eine Schnappsidee. Meine entsponn sich im Bett. Wir begannen den Samstag zwischen zerwühlten Kissen, twitterten Fotos von angebissen Frühstücksbrötchen in die Welt und drückten uns wärmend aneinander, bis fast die Luft wegblieb. Die gute Stimmung verflüchtigte sich dann beim Thema Politik. Wir steigern uns da regelmäßig rein. Es scheint hier einfach keinen Ausweg zu geben. Ich kenne wirklich Niemanden, der  Schwarz wählte und doch war es wieder passiert.  Wir schauen also einmal mehr Jahren des Stillstands und Taktierens entgegen, ohne klare Positionen, ohne Handlungen in der NSA- Affäre, ohne Konsequenzen nach Bankenskandalen, die sich, weil alles beim Alten bleibt, früher oder später wiederholen werden.
Mit langen Gesichtern und wirrem Haar saßen wir im Bett und fragten uns, wo es wohl besser läuft in der Welt.  Gibt es ein Land, dass nach unserem Geschmack regiert wird? Google hat uns innerhalb zweier Sekunden eine Antwort ausgespuckt. Sie lautete Island. Ein kleines, wildes Land, dessen Regierung offenbar einiges richtig machte. Während ihrer Bankenkrise verstaatlichte sie die maroden Institute, statt sie mit Steuergeldern zu füttern. Geschadet hat es nicht. Die Wirtschaft gedeiht, die Arbeitslosigkeit ging zurück. Es gibt kostenloses  W-Lan in jedem Cafe und Haushalte werden mit kostenarmer Erdwärme beheizt. Wir lasen dann noch von dampfenden Quellen, in denen smalltalkende Isländer stundenlang sitzen, von nächtlichen Nordlichtern und Ambra, einem stinkendem Etwas, dass man hier am Strand finden und damit reich werden könnte. Es besteht aus Erbrochenem vom Wal und stellt kostbare Grundlage für die Herstellung von Parfüm dar. Wir haben dann den Flug gebucht – der morgendliche Plan: Auswandern, Walkotze finden und reich werden. In den folgenden Tagen lernten wir ein surreal schönes Land kennen, dass hunderte Nuancen Violett am Himmel und im Meer spiegelte. Wir trafen insgesamt mehr Schafe als Menschen an.
Wir fanden Unterkunft bei einem Paar, das einst aus England auswanderte und hier vor einem einsamen Berg sein Haus baute. Sie trugen Gummistiefel, hatte diesen britischen Humor und strahlten eine tiefe Zufriedenheit aus.
In  der Hauptstadt Reykjavik  aßen wir den besten Fisch aller Zeiten. Die Leute hier waren trotz schlechten Wetters freundlich und so stilsicher gekleidet,  dass Berlin-Mitte-Hipster von ihnen noch etwas lernen könnten. Andersherum sind viele Reykjaviker auch große Fans vom freiheitlichen Berlin. Das einzige was man diesem Land wohl vorwerfen kann, ist, dass die Winter dort sehr kalt werden können und es keine Dinosaurier gibt, die hier, um die Idylle zu perfektionieren, vor Vulkanketten an den Ufern menschenleerer Seen grasen. Vermutlich landete  Island daher auch nur auf dem 3. Platz des Human Development Index der Vereinten Nationen – eine Liste,  in der die Lebensqualität von Ländern bewertet wird. Deutschland belegte hier Platz 22. Leider wollte sich während unseres Aufenthalts kein einziger Wal übergeben und wir mussten  schon nach 7 Tagen wieder zurück. Von den letzten Isländischen Kronen haben wir eine Flasche Brennivнn (Isländischer Schnapps) gekauft, symbolischer Treibstoff für die nächste Idee.

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