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Zwischen Disko und Dispo, Folge 190: Balkongesänge – Für alle Fälle Anita

Anita Berber

Frankfurt hat die Buchmesse und was bietet Berlin? Die singenden Balkone. Wie, sie haben noch nie von den singenden Balkonen gehört? Dann seien Sie beruhigt. Ich auch nicht, zumindest nicht persönlich (die tip-Redaktion schon! – siehe Seite 6/7 im aktuellen tip-Heft 23/13 – Anm. d. Red.). Wenn Nachbarn für Nachbarn von ihren privaten Balkonen singen, dann möchte ich nämlich nicht dabei sein. Ich bin ja schon mit meinem Untermieter, einem Musiker, ausgelastet. Er wird übrigens sehr bald berühmt sein, weil dieses Lied, was er andauernd singt: „Glaub mir, auch du kannst schön sein“ einfach jeden anspricht – außer genervte Nachbarinnen.
„Die Nacht der singenden Balkone“ wird demnächst in Friedrichshain ausgerichtet, vermutlich von Veranstaltern aus dem rivalisierenden Kreuzberg, die planen, den Bezirk in eine schlimme Nachbarschaftskrise zu stürzen. Ich kann nicht sagen, ob der Plan aufgehen wird, ich kann ihnen aber berichten, wie es auf der Buchmesse in Frankfurt zuging. Hier war ich mit meinem Buch nun zum ersten Mal. Ich lernte, was man österreichischen Kulturmagazinreporterinnen auf gar keinen Fall in Interviews antworten sollte und wie es sich anfühlt, zwischen einer Literaturpreisträgerin sowie einer Literaturpreisnominierten live zu lesen – es war eine Lektion in Demut! Kleiner Trost: meine Frisur. Mit ihr schaffte ich es bis auf die Partyseite der FAZ. Aber kann das reichen? Ich ahne bereits die Antwort und deshalb müssen sie mich jetzt entschuldigen, denn ich muss mich vorbereiten auf eine große Lesung. Ich werde Notizen zum Ablauf machen und diese wieder verwerfen, Textstellen markieren und sie laut vorm Spiegel im Badezimmer rezitieren, während mein Untermieter gesanglich mit „Glaub mir, auch du kannst schön sein“ begleitet. Wenn Sie das hier lesen, wird die Lesung zum Buch bereits Vergangenheit sein, an der Sie hoffentlich alle teilnahmen. Und wenn es ein guter Abend war, haben Sie vielleicht den Wunsch für ihre Nachbarn spontan auf dem Balkon zu singen oder in eine dieser angesagten, neuen Bars einzukehren – für alle Fälle empfehle ich ihnen Anita Berber. Die Bar wurde auf der Gerichtstraße 23 im Wedding eröffnet. Sie liegt versteckt im Obergeschoss eines Hinterhofs, dabei hat sie die Geheimnistuerei gar nicht nötig. Sie ist stilsicher eingerichtet und man trifft reichlich Musiker/innen und DJs im Publikum – vielleicht weil die Betreiber selbst welche sind, seit Jahren auch eine feste Reihe in der Panoramabar bespielen.
Ich fasse zusammen: Anita Berber war eine verruchte Tänzerin in den 1920ern, die literweise Cognac trank und gerne auch mal ihre Kritiker verprügelte.  Jackie A. ist eine Kolumnistin in 2013, die wegen bevorstehender Buchpremiere sehr nervös ist.

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Zwischen Disko und Dispo – Folge 190: Balkongesänge

 

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