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Zwischen Disko und Dispo, Folge 191: Autos und Emotionen

kleines_FotoWir kaufen jetzt ein Auto. Der Entschluss wurde gestern am Tisch von Herrn Schulz (Name von der Red. geändert) gefasst, im Autohaus Möbius. Zuvor hatten wir eine Probefahrt in einem wirklich tollen, weißen Wagen. Mein Partner fuhr und ich gab Hinweise vom Beifahrersitz aus: „Klaus. Hier sind nur 60 km/h erlaubt!“ – Ratschläge dieser Art. Der Neuwagen wird die nächsten 28 Jahre lang in winzigen Raten abbezahlt. Die Lieferung könne noch zwei Monate dauern, warnte Herr Schulz, denn viele Berliner sehnten sich dieser Tage nach einem Auto. Vermutlich sind es Leute wie wir, die es aufs Land hinauszieht. Menschen, die der Stadt für immer den Rücken kehren wollen, um per Kleinwagen dann doch wieder jedenTag aufs Neue einzureisen. Bis zur Lieferung plane ich, meine Phobie vor Autobahnfahrten zu überwinden und die Führerscheinprüfung zu bestehen. Hiernach werde ich ein neuer Mensch sein – einer, der mit wehendem Schal und mit Klaus im Automobil die Welt bereist.

Ermutigung zu diesem Schritt fand ich ausgerechnet in einer Radioshow. Ich wurde eingeladen in diese Sendung, in der es um Autos und Reparaturtipps?ging. Ich sagte noch, das müsse ein Missverständnis sein, ich besäße gar kein Auto. Man antwortete, das sei nicht schlimm, weil es im weitesten Sinne auch um Mobilität ginge. Da dachte ich: Na gut, da fällt mir schon was zu ein, vor Allem kann ich so sehr schön auch mein neues Buch bewerben.

Und das Interview begann gar nicht schlecht. Ich sprach über das Buch und, um beim Thema zu bleiben, über einen Trabant mit Potsdamer Kennzeichen, der seit der Flucht ’89 theoretisch noch immer vor der Botschaft in Prag stehen müsste (verlegenes Lächeln). Es war ein flüssiges Gespräch, bis zu dem Zeitpunkt, an dem man eine Art psychologischen Test mit mir durchführte. Ohne viel zu überlegen, sollte ich Sätze vervollständigen. Die Antwort würde wie aus der Pistole geschossen kommen müssen. Die Frage der Moderatorin lautete: „Frauen haben …?“ Die Antwort, von mir gerufen: „… Emotionen!

So was kommt dabei raus, wenn man mich unter Druck setzt! Frauen leiten Chemielaboratorien, organisieren Wirtschaftsgipfel, regieren Länder, schreiben historische Romane, stillen parallel ihre Zwillinge und bestehen Führerscheinprüfungen. Das hätte ich sehr gerne geantwortet. Leider ist nun die Sendung vorbei und im Internet kann alle Welt unter Radioeins.de die „Sonntagsfahrer“ hören: „Frauen haben Emotionen!“

Ich habe beschlossen, bis Dezember keine Interviews mehr zu geben und mich stattdessen auf die Führerscheinprüfung vorzubereiten. Ich suche auch noch nach einem Fahrlehrer oder besser, einer Fahrlehrerin: kompetent, schlau, witzig, geduldig, und mit (gerufen) ….Emotionen! 

Kommentare oder Kritik – her damit [email protected]

Jede Woche neu! Der Blog von Jackie A. als Podcast! Jackie A. liest Jackie A.

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