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Zwischen Disko und Dispo, Folge 206: Abschied

Feierlaune

Immer schon wollte ich einen Text schreiben mit überschwänglichen Dankesbekundungen und  hier scheint der Moment gekommen: Tusch! Sie lesen die letzte Ausgabe von „Zwischen Disko und Dispo“ – Danke, dass sie über 200 Folgen durchgehalten haben! Danke, dass sie mich auf offener Straße voller Sorge ansprachen, wenn der hier veröffentlichte Kontostand mal wieder stark ins Minus rutschte. Danke dass sie mich auf fragwürdige Society-Events in den Grunewald begleitet haben. Danke, dass sie sich mit mir auf Ravepartys in ehemaligen Luftschutzbunkern herumgetrieben haben. Danke, dass sie mit mir im „Fashionbloggercafe“ vor lauter Markenhandtaschen und Pelzwesten beinahe depressiv wurden. Danke, dass sie mich zum Seniorenkaraoke nach Charlottenburg und in die virtuelle Kneipe auf Facebook begleitet haben. Danke, dass sie mit mir S-Bahn fuhren und Geschenke – einen Schlüssel – von fremden Fahrgästen annahmen. Danke, dass sie mit mir betrunken Sendungen im Piratenradio moderiert haben. Danke, dass sie mir beim Ritt auf einem Pferd zur Cluberöffnung auf der Friedrichstraße die Bügel hielten. Danke, dass sie mein Bewerbungsschreiben für das Raumfahrtprojekt „Mars One – The Human Settlement of Mars“ offenbar lustiger fanden als „Mars One“ selbst. Danke, dass sie während meiner Jurytätigkeit für den Talentwettbewerb einer Schnapsfirma die Punkte großzügig mitverteilten. Danke, dass sie sich in der Therme in Bad Wilsnack in Grund und Boden schämten, als wir hier nackt auf meinen ehemaligen Arbeitgeber trafen. Danke, dass sie nicht zögerten, gemeinsam mit mir bei der Promotionparty eines Duschgel-Herstellers unter Schaumbergen unseriöse Handlungen an nichtehelichen Partnern auszuüben. Danke für ihre Treue! Danke, dass sie lachten! Danke, dass sie den Heiligen Abend ’92 an meiner Seite nach einer Verkettung ungünstiger Umstände fröstelnd und nur mit Unterwäsche bekleidet Morgens auf der Uhlandstraße einläuteten. Danke, dass sie mit mir und David Hasselhoff auf einem Fahrzeugtransporter „Looking-for Freedom“-singend, vergeblich gegen die Bebauung an der East Side Galerie demonstrierten.
Danke, dass sie mit mir gemeinsam älter, (ewig Enddreißig!) informierter (Google!) und schöner (Photoshop!) wurden. Danke dem Tip-Magazin, dass ich mich hier austoben durfte und über einen eigentlich recht typischen Berliner Lebensentwurf publizieren durfte – ein Dasein mit vergleichsweise schmalen Mitteln in der besten und vermutlich einzigen Stadt Deutschlands, in der man auch mit wenig Geld so reich, bunt und aufregend leben konnte.
Sie merken schon, dass ich hier die Vergangenheitsform wähle. Die Stadt verändert sich zusehends und wir tun es auch. Was kommt als Nächstes auf uns zu? Wird es besser, schlechter, oder einfach nur anders? Ich schlage vor, sie schauen gleich im nächsten Tip, Heft 13/14, nach. Wir sehen uns auf der letzen Seite!  

Ihre Jackie A.

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Jede Woche neu! Der Blog von Jackie A. als Podcast! Jackie A. liest Jackie A.

Zwischen Disko und Dispo – Folge 206: Abschied!

 

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