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Zwischen Disko und Dispo, Folge 79: Der One-Night-Stand im Informationszeitalter


Der One-NightStand, kurz ONS, ist mindestens so alt wie die Geschichte der Menschheit. Seit Jahrtausenden hat sich in seiner Handhabung kaum etwas verändert. Man traf sich, tat was getan werden musste und verschwand- wenn alles gut ging- auf nimmer wieder sehen. Denn für Menschen über fünfzehn Jahre ist der ONS keine heroischer Akt, den man aufgeregt im Freundeskreis bespricht, sondern mehr ein einmaliges Gastspiel zweier nicht näher bekannter Personen (Definition Wikipedia), für das nur in sehr seltenen Fällen hinterher ein Applaus erwartet wird. Die Wörtchen Diskretion und Anonymität sind hier grundlegend und genau deshalb ist der ONS – zumindest so wie man ihn bisher kannte – in Gefahr und während sie sich vielleicht am morgen mit den Schuhen in der Hand aus der Wohnung des Beischläfers schleichen, sitzt der schon am Laptop und googelt ein bisschen zu ihrer Person oder schickt ihnen eine Freundschaftsanfrage per Facebook.
Manche ONS-Interessierte führen daher ‚auf Streife’ nicht nur Kondome im Duzend mit, sie achten auch darauf, möglichst nicht ihren Namen zu erwähnen, was mitunter zu befremdlichen Situationen führt. Beispielsweise wenn man am morgen danach einen zerknitterten Nackten neben sich im Bett vorfindet, der einen mit ‚Frau Schröder’ anspricht, weil er ja den Vornamen nicht kennt, den Rest aber letzte Nacht auf dem Klingelschild identifizierte.
Der klassische Worst Case im ONS-Szenario ist die folgende Schwangerschaft -einer Bekannten erging es so. Nach monatelangem Überlegen entschloss sie sich nach dem ONS, einer Disko-Bekanntschaft, zu suchen. Lediglich an seine afroamerikanische Herkunft sowie seine Socken – mit Schweizer Flagge bedruckt- konnte sie sich noch erinnern, zudem erwähnte er eine fünf Jährige Tochter. Die Schwangere graste also alle Kindergärten in der Stadt ab und verteilte Flugblätter zum Unbekannten. Tatsächlich meldet sich daraufhin eine Frau, deren Kind in der selben Gruppe war, wie die Tochter des Gesuchten. Sie konnte den Kontakt vermitteln- nicht überliefert ist, wie groß die Freude übers Wiedersehen war.
Eine andere, entfernte Bekannte hatte lange kein Interesse mehr an One Night Stands wegen eines gewissen Cloude. Sie hatte ihn in einer Bar kennen gelernt, er sah etwas blass aus, war aber aufmerksam und überschüttete sie förmlich mit Schampus und Komplimenten. Im Morgengrauen ging sie mit ihm nach Hause – geweckt wurde sie am Mittag durch einen lauten Knall, die Tür flog auf und ein Einsatzkommando der Polizei stürmte die Wohnung. Während die Schlaftrunkene sich mühte unter der Bettdecke den BH ausfindig zu machen, wurden Dosen mit Mehl und Kaffee ausgeschüttet sowie Schränke durchwühlt. Die Hausdurchsuchung dauerte 20 Minuten, der Gastgeber wurde in Handschellen abgeführt, die Bekannte flüchtete barfuss über die Brunnenstraße. Letztere hat ihre ganz eigenen Konsequenzen gezogen- Informationen zu möglichen Beischläfern werden schon zuvor eingeholt- gerne auch im Internet, bei „People Search“.

 

 

 

Foto: bloodymary/pixelio 

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