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Zwischen Disko und Dispo, Folge 83: In der Jury

 

 

 Talentwettbewerb eines Schnapsherstellers in Berlin.

21.00 Ankunft
Jackie: „
Hallo, ich sollte um neun hier sein wegen dem Talent-Wettbewerb.
Koordinatorin: „ Bist du das Hula-Hup-Girl ?“
Jackie: „ Ne, ich soll hier Jury machen.“
Koordinatorin: „ Okay, bestell dir doch erst mal was an der Bar, bin gleich wieder da.“

22.00 Rückkehr der Koordinatorin
Jackie: „ Ich glaub, ich hab einen sitzen.“
Koordinatorin: „Das ist doch toll! Der Sponsor wird sich freuen.“

23.00 Die Jury nimmt die Plätze ein
Auf Anweisung des Sponsors werden mehrere Cocktails auf unserem Tisch drapiert – das Produkt soll auf den Pressefotos zu sehen sein. Bereitwillig trinke ich mal aus diesem, mal aus jenem Glas.

23.30 Wow.
Seit mehreren Minuten schwingt ein ultra schlanker Mittdreißiger einen mit Leuchtdioden ausgestatteten Reif um seine Taille. Er hat etwas von einem Aal- einem sehr lustigen mit beeindruckendem, mimischen Repertoire.



23.50 Artisten führen Figuren vor
– die recht typisch für Zirkusperformances sind. Es wirkt, als wären sie schon 500 mal mit der Nummer aufgetreten. Ich langweile mich. Am Ende jubelt das Publikum. Schnapsmutig vergebe ich die niedrigste Punktzahl, Begründung: geschmacklose Garderobe (blonde Strähnchen zu türkis-schwarzen Glanzanzügen). Es folgen Buhrufe, das Publikum ist empört. Ich tu’ so, als höre ich nichts.

23.45 Die Gläser sind leer
-schon wieder! Mit großer Geste wird Nachschub geordert. Die Bewertungen der Künstler fallen inzwischen lauter, länger und insgesamt temperamentvoller aus – wenn auch nicht aussagekräftiger.

0.10 Die Gesangsperformance ist schlecht
und ich schäme mich für Darstellerin, die nun auch noch nett in meine Richtung lächelt. Aus Mitleid gebe ich ihr die höchstmögliche Punktzahl.

 
00.20 Plötzliches Unwohlsein
Der Schnapskonsum bleibt nicht folgenlos. Noch während der Darbietung einer Bourlesktänzerin muss ich zur Toilette. Ich beeile mich sehr, doch als ich wieder komme, ist die Show vorbei- unauffällig schreibe ich die vergebenen Punkte vom Nachbarn ab.

00.30 Der Gewinner steht fest
– zum Glück hat das Publikum entschieden. Den längsten Applaus erhält ein kleiner Mann, der zum Thema Pornos und Obdachlose performte. Feierabend.

00.40 Zur Redestellung durch das Artistenduo an der Bar

-gefolgt von zwanzig Minuten besoffener Argumentation meinerseits .

01.00 Einem Mann aufs Hotelzimmer folgend
– in Erwartung der Gage. „ Das ist doch viel zuviel!“ rufe ich, Bescheidenheit vortäuschend, während ich eilig die Scheine verstaue. Ich kann mein Glück ob des großzügigen Trinkgelds kaum fassen. Zurück auf der Tanzfläche wird der lukrativen Job exzessiv, mit noch mehr Schnaps und Techno bis sechs Uhr früh gefeiert.

12 Stunden später
– Aufstehen unmöglich, der Kater ist grauenvoll. Nur langsam ordnet sich der Verstand und ein blöder Irrtum wird bewusst . Das gefeierte Trinkgeld des Veranstalters war die reguläre Mehrwertsteuer, die ich im Rausch vergas. Es folgt ein selbst erteiltes Schnapsverbot sowie ein letztes Urteil: Jackie A. – null Punkte.

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