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Zwischen Disko und Dispo, Folge 91: Party im Hilton

Als Partyreporter beginnt das neue Jahr mit der Frage, die schon im letzten Jahr interessierte: Woran um Himmels Willen erkennt man eine wirklich gute Party? Die Antwort ist seit zirka 1970 die selbe geblieben. So eine Party steht für mehr als ein paar besoffene Momente im hier und jetzt. Sie wirkt nachhaltig und kann ein ganzes Leben verändern. Meine Freundin Jenny würde ihnen das jederzeit bestätigen. Sie hat die Afterhour Party im Spa Bereich des Hotel Hilton nie vergessen.

Bei der Werbeveranstaltung eines Duschgelherstellers hatte man an alles gedacht:
Champagner, beheizte Swimming- und Whirlpools, Shrimpscocktails auf dem Buffet und das ‚Who is Who’ der Berliner Partygesellschaft auf der Gästeliste. Etwas müde saß sie hier um vier Uhr morgens im Whirlpool. Tausende Bläschen stiegen auf, im Wasser und in ihrem Champagnerglas, warmer Dampf ließ ihre Brillengläser beschlagen. Sie beobachtete wenig bekleidete Menschen, die jauchzend Wasserspritzspiele veranstalteten und erfreute sich an Schaumbergen, die nach Zugabe des marktneuen Duschgels mit betäubender Duftnote zu Housemusic-Tunes über den Pool waberten.

Nach drei Gläsern war Jenny bereit sich am Geschehen zu beteiligen. Sie schwamm und schwankte durchs Wasser vorbei an Luftmatratzen und Transvestiten, die hier nach verloren gegangenen Perücken suchten. Ein allgemeines Genecke folgte, jeder kniff mal jedem in den Po und leere Champagnerkübel umschifften die Partygäste wie nutzlose Bojen. Jennys Mann, ein DJ, musste am Abend in Gießen auflegen. Die lebensfrohe Musikpromoterin war es gewohnt alleine auf Partys zu feiern- nie hatten sich daraus Folgen für ihr weiteres Leben ergeben. Doch das hier war eine wirklich gute Party und während sie so im Wasser wankte, griff jemand von hinten in ihre Taille.

Der Typ, ein erfolgloser Musiker, war bekannt für seine Attraktivität inklusive der (Zitat) „besten Titten in ganz Berlin“. Wassertropfen perlten über seinen makellosen Oberkörper, er lächelte, kam näher und roch auch sehr gut. Jenny war merkwürdig zumute. Es folgte ein Kuss und noch einiges mehr inmitten eines gigantischen Zwei-Meter-Schaumbergs – gesponsert von der Firma Lever Faberge. Den dramatischen Höhepunkt erreicht die Geschichte, als Jenny bemerkte, dass sie in ihren Ehering im Schaum verlor und der kurze Spaß mit dem Tittenmann wich dem schlechtesten Gewissen, dass die Promoterin je mit sich trug. Die Nachricht über den vermissten Ehering machte die Runde und kollektive Hilfsbereitschaft setzte ein. Männer tauchten auf den Grund des Beckens und tatsächlich wurde der Ring gefunden.

Genutzt hat es nichts. Der Gatte wurde noch in Gießen über den Vorfall informiert – leider nicht von Jenny. Es gab einen Riesenkrach, die Scheidung wurde beschlossen und die Promoterin zog aus dem 120 qm Loftapartement im Grunewald in eine 1- Zimmer Wohnung in den Wedding. Den Tittenmann hat sie nie wieder gesehen und ihr Leben war fortan ein anderes.

 

foto: sturm/pixelio

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