• Stadtleben
  • Zwischen Disko und Dispo, Folge71: Open-Air-Party

Stadtleben

Zwischen Disko und Dispo, Folge71: Open-Air-Party


Kreuzberg, 13 Uhr: böiger Wind weht aus Nordost, Minimalbeats scheppern aus dem Görlitzer Park herüber.Bei gefühlten vier Grad eröffnen mehrere hundert Teilnehmer die Openairsaison- darunter Schäferhunde, verschleierte Türkinnen, Väter mit Kinderwagen und jede Menge Technokapuzen in dunklen Steppjacken und mit Sternburgpils in der Hand. Acht Stunden hielt sich die Party unter dem inoffiziellen Motto: ‚ist dir zu kalt bis du zu weich’.

Die Openairsaison hat begonnen obwohl man nicht sagen kann, wann die letzte überhaupt  endete, vor ein paar Wochen traf man sich noch zur Schlittschuhdisko auf der vereisten Rummelsburger Bucht. Aber was ist schon Eis gegen Sonne auf unserer Haut? Inzwischen schreit jede einzelne Zelle danach. Der Raver ist nach monatelanger Indoorfeierei ausgezehrt, seine Haut wirkt farblos, wie die der somalischer Nacktmulle, die ihre unterirdischen Tunnelgänge nur im äußersten Notfall verlassen. Der Nacktmull benötigt kein Sonnenlicht zum Überleben – wir schon, und das Bedürfnis nach draußen zu gehen, endlich wieder Gras unter den Füßen zu spüren und in die Nachmittagssonne zu blinzeln fordert jetzt schnellstmöglich Befriedigung.  Glücklicherweise,  und dafür muss man Berlin lieben, leben wir in einem Openair-Party-Paradies. So rasant wie hier unter Brücken, auf öffentlichen Plätzen und in den Parks Soundsysteme angekarrt werden, macht uns das keine Stadt so schnell nach. Dazu kommen die großen Festivals im Sommer in und um Berlin mit Camp Tipsy, Berlin Festival, Melt oder der Fusion – verbunden mit Erlebnisberichten, wie dem des ortsansässigen DJ’s, der darum bat, seinen Namen an dieser Stelle unveröffentlicht zu lassen. Nachdem er  zwanzig Stunden ohne Schlaf, tanzend und mit unkontrolliertem Alkoholkonsum auf  der Fusion verbrachte, setzte strömender Regen ein. Der DJ wollte Unterschlupf in seinem Zelt suchen, fand es aber nicht. Am Ende seiner Kräfte schlüpfte er in das leer stehende Zelt eines Unbekannten – hier fand er eine Dose Erbsensuppe und einen Kocher vor. Vom plötzlichem Hunger überwältigt, schmiss er ohne zu überlegen den Gaskocher an. Das Zelt über seinem Kopf brannte in wenigen Minuten ab- vollständig. Zurück blieben eine Dose Erbsensuppe und ein zutiefst verstörter DJ, der trotz allem auch in diesem Jahr den Besuch der Fusion eingeplant hat.

++++  Achtung! Zwischen Disko und Dispo live gibt es am 11. April im Violetclub, Rosemarinstraße 8-9 in Berlin Mitte.Beginn ist 21 Uhr. Mit dabei sind Bestsellerautorin  Ming “ Alles über schlechten Sex“  und myspace-blogger Michael Naest „Großstadtkolumnen“ – anschließend feiern wir mit Notic Nastic live, DJ Franz Underwear, Heldenbrand und noch mehr.

Mehr über Cookies erfahren