Musik & Party in Berlin

Steffi

Das Berghain ist bekannt für Exzess und ausufernde Partys. Aber auch für die konsequente Selektion seiner Künstler. Mit Steffi hat sich der Technotempel eine weitere Qualität ins Boot geholt. Steffi heißt eigentlich Steffie Dohms, ist gebürtige Holländerin und eine, die die Dinge gerne selbst in die Hand nimmt. Als sie als Teenager das erste Mal in einem Club steht, die Energie von DJ, Bass, Tanz und Licht erlebt, weiß sie: Das will ich auch machen. Heute ist sie Resident DJ in der Panoramabar.

ND_Baumecker, Booker des Berghains, entdeckte sie auf einer Party in Amsterdam und war von ihrem Set so beeindruckt, dass er sie in die Panoramabar einlud. Mit ihrem warmen House-Set überzeugt Steffi, die sich in den Neunzigern bereits in der Amsterdamer Undergroundszene sowie beim Berliner Publikum einen Namen gemacht hat. Mittlerweile ist sie ganz in die deutsche Hauptstadt gezogen. „Hier habe ich erst richtig Platz und Raum, um mich als Künstlerin zu entwickeln“, sagt sie. Im Berghain-Umfeld hat sie eine neue Familie gefunden und veröffentlicht nun ihr erstes Album „Yours and Mine“ auf dem Hauslabel Ostgut Ton.

Für ihr Debüt schloss sich die 36-Jährige ein halbes Jahr in ihr Berliner Studio ein. Eine Phase der Selbstfindung und des Experimentierens, bei der Steffi an ihre Grenzen ging. „Man stellt sich immer wieder die Frage: Ist das gut genug? Aber irgendwann kommt der Punkt, wo man spürt, das ist es. Genau das.“ Der Wille zur Perfektion, die Liebe zur Musik, aber auch der Drang nach einer Vielfältigkeit abseits der gängigen Technomusik ließ eine wunderbar intelligente Platte entstehen, die geführt von kraftvollen Beats die Emotion immer in sich trägt. Ob technoid fordernd oder träumerisch sehnsuchtsvoll: Ineinanderverwobene Flächen und Melodien sorgen stets für Wärme und Weite. Die brasilianische Gastsängerin Virginia ruft mit ihrer sanften Stimme bei „Yours and Mine“ gar zur Hymne auf und verleiht dem Stück einen fast poppigen Ansatz.

Trotz der unterschiedlichen Sounds ist das Album aber ein geschlossenes System. Nichts entkommt oder verflüchtigt sich. Der Radius aus Beats, Flächen und Basslines obliegt der Kontrolle einer Künstlerin, die ihre Pferde zu zügeln versteht, ohne sich ihrer Energie zu berauben. Es ist das Album einer Frau, die hörbar zu ihrem eigenen Stil gefunden hat und schon in ihren DJ Sets bewies, dass in der elektronischen Musik nicht immer die gradlinige Bassdrum das Geschehen bestimmen muss: „Wenn ich auflege, läuft nicht vier Stunden derselbe Sound. Bum Bum Bum. Ich spiele gerne auch mal eine Pop-Platte zwischendurch.“

Text: Simone Jung

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