Thriller

„Steig. Nicht. Aus!“ im Kino

Ein Mann bekommt im Auto einen Anruf, wenn er nicht eine halbe Million Euro bezahlt, explodiert eine Bombe sobald er sich vom Sitz erhebt

Iris Janke/ NFP

Manch ein wütender Gegner, manch ein Opfer krimineller Entmietungspraktik spürte vielleicht auch schon mal solche Fantasien in sich aufsteigen. Wie man es den Verantwortlichen zurückzahlen, ja, wie man Rache üben könnte. In Christian Alvarts „Steig. Nicht. Aus!“ macht ein Leidtragender nun ernst mit dem Rückzahltag. Im Visier: Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring), höllischer Bauunternehmer, wie er sich anfangs selbstironisch der Sitznachbarin im Flieger vorstellt. Wenig später nach der Landung, als er auf dem Weg zur Arbeit noch seine Tochter und seinen Sohn an der Schule absetzen will, bekommt er im Auto einen Anruf: Der Unbekannte am anderen Ende der Leitung will eine halbe Million Euro von ihm erpressen und behauptet, eine Bombe im Wagen installiert zu haben. Die soll explodieren, sobald sich jemand vom Sitz erhebt.

Fast in Echtzeit jagt Genre-Spezi Alvart (Schweigers „Tatorte“, „Antikörper“) von da an die drei Sitzgefesselten durch ein stahlblaugraues Action-Thriller-Szenario, in dem er noch das großstadtakute Thema rücksichtloser Gentrifizierung zusammen mit dem Drama einer kaputten Ehe verbaut. Die Schnitte sind schnell. Die Musik pumpt. Der Druck, dem Brendt ausgesetzt ist, soll auch in der Inszenierung spürbar sein.

Während über das ein oder andere klaffende Logikloch hinweg mit immer neuen Wendungen das Anspannungslevel permanent hochjazzt wird, wird Wilke Möhring schauspielerisch einiges abverlangt. In den Extremen zwischen brodelnder Wut und existenzieller Verzweiflung, zwischen Angst, Panik und Hilflosigkeit kommt er allerdings immer wieder auch ein bisschen unfreiwillig komisch an die Grenzen seiner darstellerischen Möglichkeiten. Mit seinem Spiel verhält es sich daher ein bisschen so wie mit „Steig. Nicht. Aus!“ selbst: Vieles funktioniert, aber auf spielfilmlange Distanz ist das alles mitunter doch etwas anstrengend und enervierend.

Steig. Nicht. Aus! D 2017, 109 Min., R: Christian Alvart, D: Wotan Wilke Möhring, Hannah Herzsprung, Christiane Paul, Farih Yardim, Start: 12.4.

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