Oper

„Stella“in Der Neuköllner Oper

Tanz die Denunziantin: Eigentlich ein zu schwerer Stoff für ein Musical: Stella verrät Menschen an die Gestapo

Stella (Frederike Haas)
Foto: Matthias Heyde Berlin

Dieses Thema, denkt man, ist hoffnungslos. Stella Goldschlag, das „blonde Gespenst vom Kurfürstendamm“, denunzierte als Jüdin in der Nazizeit Hunderte von Menschen gegenüber der Gestapo. Ein zynischer Todesengel. Als sie nach dem Krieg für sich eine Entschädigung als Opfer des Faschismus reklamieren wollte, hagelte es Prozesse. 1994 stürzte sich die Ex-„Greiferin“, die so gern Revue-Star geworden wäre, aus dem Fenster. Das nun wieder ist eine Steilvorlage fürs Musical.
Peter Lund wäre nicht Peter Lund, hätte er als Musical-Autor nicht eine Erklärung für die Denunziantin parat. „Ich bin keine Jüdin, ich bin Deutsche“, ruft sie in der Bio-Pic-Collage an der Neuköllner Oper trotzig aus, hier, wo Lund-Musicals seit 25 Jahren eine feste, bedeutende Größe sind. Stella hasst es, Jüdin zu sein und lässt sich vom Nazismus noch nicht einmal durch die Tatsache kurieren, dass ihre eigenen Eltern nach Auschwitz geschickt werden. Als Rebellion gegen den Judenstern, als Identifikation mit dem Aggressor interpretiert Lund den frappanten Fall.
Vom Publikum umzingelt, geht Stella (großartig: Frederike Haas) zwei Stunden lang zur Offensive über. Die Uraufführungsinszenierung von Martin G. Berger faltet die Täter-Opfer-Ambivalenz tänzerisch triftig auseinander. Wolfgang Böhmer hat dazu einen Comedian-Harmonists-Swing-Verschnitt (mit Einsprengseln von Stephen Sondheim) komponiert. Leider erfährt man über die Opfer der Stella Goldschlag zu wenig. So kann der Abend die Höhe seines Themas nur momenthaft erreichen. Immerhin: Es versucht zu haben, impliziert hier fast schon ein Gelingen.

Neuköllner Oper Karl-Marx-Str. 131-133, Neukölln, Do 14.7., Fr 15.7., So 17.7., Do 21.7., Fr 22.7., Sa 23.7., So 24.7., jeweils 20 Uhr, Karten-Tel. 68 89 07 77

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