Musik & Party in Berlin

Stephen Malkmus gastiert in Berlin

Die Stadt hat einen prominenten Neuzugang: Stephen Malkmus zieht für knapp ein Jahr in unsere Stadt.

stephen_malkmusIn seinen Songs kommen die unterschiedlichsten Orte vor. Da ist von Baltimore die Rede, von Indien oder Zürich. Als reisender Musiker kennt er sich in Geografie aus. In unserer Stadt war er schon oft. Aber dass Stephen Malkmus eines Tages einen Berliner Wohnsitz nehmen würde, damit konnte niemand rechnen. Schon gar nicht jetzt, auf seine alten Tage. Der Sänger und Gitarrist ist 45, zweifacher Vater, hat die wildesten Jahre hinter sich und muss sich bestimmt nicht neu beweisen. Trotzdem zieht er zunächst für die Dauer von elf Monaten mit der gesamten Familie von Portland nach Prenzlauer Berg. Das hat rein private Gründe.

Seine Frau Jessica Jackson Hutchins, eine in den USA gut bekannte freischaffende Künstlerin mit dem Schwerpunkt Keramik, will hier arbeiten und Kontakte zur europäischen Kunstszene knüpfen. „Es war ihre Idee, aber wir haben ganz schlau eine Gruppenentscheidung daraus gemacht. Man kann der Armen ja nicht die Alleinschuld geben, wenn es nicht funktioniert. Umstellungsprobleme wird es sicher geben. Wir haben schon mal in New York gelebt, da haben es die Kinder im Winter nicht ausgehalten“, erinnert sich Malkmus. Er selbst freut sich auf Berlin. Allein schon deshalb, weil er auf diese Weise Gelegenheit bekommt, die Stadt genauer kennenzulernen. Er erinnert sich noch an Auftritte mit Pavement im ehemaligen Loft am Nollendorfplatz in den Neunzigerjahren inklusive der obligatorischen Zechtouren danach. An mehr aber nicht.

Der Umzug macht auch aus einem anderen Grund Sinn. Malkmus hofft, dass man ihn dadurch als Musiker endlich mal so wahrnimmt, wie er heute ist. „In Europa denken immer noch viele, ich sei der Typ von Pavement. Dabei habe ich schon fünf Alben mit meiner eigenen Band The Jicks aufgenommen. In den USA weiß man das, hier dagegen habe ich noch Aufklärungsarbeit zu leisten.“ Das neue Album „Mirror Traffic“ wird ihm dabei helfen. In der Vergangenheit hat es schon einige gute Malkmus-Alben gegeben, aber das hier ist das bisher beste. „Face The Truth“ aus dem Jahr 2005 war ein zugängliches Werk mit elektronischen Spielereien, der Nachfolger „Real Emotional Trash“ war mit ausufernden Tracks und langen Soli das genaue Gegenteil. Auf „Mirror Traffic“ finden die songorientierte Seite und die chaotischen Elemente nun ganz harmonisch zusammen. Das hat auch damit zu tun, dass der gegenüber Produzenten sonst skeptische Malkmus die Kontrolle über die Aufnahmen dieses Mal an Beck Hansen abgetreten hatte.

„Ich hatte zuerst Befürchtungen, dass er etwas seltsam sein könnte, aber das hat sich überhaupt nicht bewahrheitet. Beck ist sehr geerdet und hat uns immer geholfen, wenn es an kleinen Dingen hakte. Er hat dafür gesorgt, dass aus einem bloßen Riff ein richtiger Song wurde. Und er hat am Equipment Veränderungen vorgenommen, damit der Gesang schön rau klingt. So etwas ist wichtig.“ Schließlich ist „Mirror Traffic“ auch deshalb gut geworden, weil der um eine Formulierung nie verlegene Malkmus wieder einige für ihn typische Zeilen hinbekommen hat. „I caught you streaking in your Birkenstocks, a scary thought, in the 2Ks“ oder „I know what the senator wants is a blow job“ – das erinnert schwer an die schelmischen Bemerkungen auf „Crooked Rain, Crooked Rain“. In Berlin gibt es einen Begriff für so etwas, er heißt Kodderschnauze. Der Mann wird es hier lieben.

Text: Thomas Weiland

Stephen Malkmus & The Jicks Postbahnhof, Di 22.11., VVK: 18 Ђ

Album: „Mirror Traffic“ (Domino)    

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