Bildhauerei

„Stepping Stairs – Judith Hopf“ im KW Institute for Contemporary Art

Alltägliche Baustoffe und ein ironischer Realitätsbezug: Die Künstlerin Judith Hopf hat ihre erste institutionelle Soloschau in den Kunst-Werken

Judith Hopf, UP, Installationsansicht / Installation view, MUSEION of Modern and Contemporary Art Bolzano, Italien / Italy, 2016 Fotos / Foto: Luca Meneghel

Beinahe verspielt und immer auch ironisch ist die Kunst von Judith Hopf. Dabei ist der Bezug zum Menschen und dessen Körper in den skulpturalen Arbeiten Hopfs ein durchgehendes Thema, auch wenn es sich nicht in den Vordergrund spielt. Vielleicht wird dies auch im durchaus passenden Titel der Ausstellung „Stepping Stairs“ deutlich, der die Verbindung von Körperbewegung (Stepping) und rudimentärer architektonischer Form (Stairs) widerspiegelt.

Für die von Anna Gritz kuratierte Ausstellung in den KW hat Hopf eine Reihe von Backsteinskulpturen in der großen Halle arrangiert, die in abstrahierter Weise architektonische Formen aufgreifen. Das ist natürlich ein augenzwinkernder Wink an die Architektur, die uns in Berlin tagtäglich umgibt. Deren Grundbaustoff war zumindest bis in die sechziger Jahre hinein ganz klar der Ziegel, der einem in dieser Ausstellung aber auch schon einmal als rundgeschliffener Fußball oder als Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger entgegentritt, womit Hopf den Baustoff Ziegel in einen anderen Bezugsrahmen setzt.

Auf der anderen Seite ist die Verwendung von alltäglichen Materialien wie Verpackungsmaterialien, Beton, Glas oder eben Ziegel eine Konstante im Werk der Künstlerin und erlaubt einen Rekurs auf ihre Beschäftigung mit unserem Verhältnis zu den uns umgebenden, „gebauten“ Dynamiken und gesellschaftlichen Machtverhältnissen – neben der Form auch über die Materialität der Arbeiten selbst.

Zu den neuen Arbeiten mit Ziegeln treten die bekannteren Laptop-Skulpturen, in denen der abstrahierte menschliche Körper mit dem (ebenso abstrahierten) Arbeitsgerät verschmilzt, sowie eine Reihe von Videoarbeiten.

Diese kurzen Videoarbeiten, selten länger als drei Minuten, sind ein Fest der skurrilen Komik und ironischen Seitenhiebe. So greift Hopf einmal einen Themenkreis aus der Stummfilmzeit auf, das Fluten der herrschaftlichen Wohnräume mit Wasser, und transportiert diesen ins designerwohnzimmerhafte Heute. Klar, dass das Au-pair-Mädchen Auslöser dieser häuslichen Sintflut ist, die nicht nur das Treppenhaus in einen Wasserfall verwandelt, sondern auch das romantische Dinner eines Paares zu einer reichlich nassen Angelegenheit macht, bei der selbst die Bilder von der Wand wegschwimmen. Eine ältere Videoarbeit greift die Idee eines Buñuel-Films auf. Statt der Mönche bei Buñuel laufen hier Polizisten ohne erkennbaren Sinn durch eine Berliner Altbauwohnung, was eine ganz eigene, höchst skurril-surreale Komik erzeugt.

Eine Inspiration für die Arbeiten in der Ausstellung ist die leider früh verstorbene Hamburger Performance-Künstlerin und Bildhauerin Anette Wehrmann. Deren Luftschlangentexten, in denen sie tagebuchartig ihr Großstadtleben und ihre Empfindungen festhielt und die sie in Performances auf einer Leiter stehend vorzutragen pflegte, wird der dritte Stock der KW gewidmet. Das sollte man sich nach einem Gang durch die Ausstellung von Judith Hopf auf keinen Fall entgehen lassen.

Stepping Stairs – Judith Hopf KW Institute for Contemporary Art, Auguststr. 69, Mitte, Mi–Mo 11–19 Uhr, Do bis 21 Uhr, 10.2.–15.4.

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