Dunkle Nächte

In die Sterne gucken: 12 Orte, an denen sie heller als die Lichter Berlins scheinen

Es braucht nicht unbedingt einen landesweiten Stromausfall, der die Lichter der Stadt ausknipst, damit die Romantiker*innen unter uns endlich wieder in die Sterne gucken können. Auch wenn die Lichtglocke über Berlin für Lichtverschmutzung sorgt und die Sicht auf den leuchtenden Sternenhimmel nimmt, in dunklen Nächten ist nicht einmal das Erklimmen eines Berges ein Muss. Die Stadt und das Umland bieten für Hobby-Astrolog*innen eine Vielzahl an Möglichkeiten – gleich der funkelnden Sterne am Firmament.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, bleiben die Archenhold-Sternwarte, das Planetarium am Insulaner und sowie die Wilhelm-Foerster-Sternwarte bis auf Weiteres geschlossen.

Tempelhofer Feld

Nicht mehr lange, dann ist die Sonne über dem Tempelhofer Feld untergegangen und man kann mitten in Berlin in die Sterne gucken.
Nicht mehr lange, dann ist die Sonne über dem Tempelhofer Feld untergegangen und man kann mitten in Berlin in die Sterne gucken. Foto: Imago/Emmanuele Contini

Mit seinen rund 355 Hektar gibt das Tempelhofer Feld ein Gefühl von Freizügigkeit, die erlaubt, in einer zusehends zugebauten Stadt den Blick in die Ferne schweifen zu lassen. Die größte innerstädtische Freifläche der Welt lädt in den Monaten Juni und Juli bis 22.30 Uhr zum In-die-Sterne-gucken ein.
Denn kurz bevor einen die Erdhummeln vom Feld treiben, bieten Aktive des mitten auf dem Tempelhofer Feld gelegenen „Stadtteilgarten Schillerkiez“ spontan abendliche Teleskopbeobachtungen von Mond und Planeten an. Die Sternwarte besteht bislang noch aus einfachen Instrumenten, wie einem Experimentbrett zur Bestimmung des Meridians, einer Horizontal- und eine Äquatorialsonnenuhr sowie einer drehbare Sternkarte aus Holz. Informationen zu den geplanten Workshops oder andere Sonderaktivitäten werden vor Ort im Stadtteilgarten Schillerkiez durch Aushänge angekündigt.

  • Tempelhofer Feld , Tempelhofer Damm, 12101 Berlin

Archenhold Sternwarte

Mitten im Treptower Park kann man die älteste und größte Volkssternwarte Deutschlands – die Archenhold-Sternwarte – kaum übersehen. Seit 1896 ermöglicht einem das längste bewegliche Linsenfernrohr der Welt den Blick in den Himmel. Bei Tageslicht und am Wochenende bis zum Einbruch der Nacht kann man hier mit Hilfe von Beobachtungsinstrumenten, wie Astrographenkuppel und Cassegrain-Spiegelteleskop, in die Sterne gucken.

  • Archenhold Sternwarte, Alt-Treptow 1, 12435 Berlin

Wilhelm-Foerster-Sternwarte

Bei klarem Wetter traut man vor dem großen Fernrohr, dem „Bamberg-Refraktor“, seinen eigenen Augen fast nicht mehr. Am Taghimmel kann man den „Star“ der Show die Sonne, den zunehmenden Mond, den Planeten Venus oder helle Fixsterne beobachten. Während einer Führung in der Dämmerung können je nach Sichtbarkeit helle Planeten wie Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn durchs Teleskop anvisiert werden. Am immer dunkler werdenden Himmel sind dann z.B. Doppelsterne sowie Sternhaufen oder die hellsten Galaxien zu beobachten.

  • Wilhelm-Foerster-Sternwarte, Munsterdamm 90, 12169 Berlin
    Die Sternwarte öffnet kurz vor den jeweiligen Führungen.

Planetarium am Insulaner

Von des künstlich aufgeschütteten Berg „Insulaner“ aus stolpert man geradewegs über den prachtvollen künstlichen Sternenhimmel – das Planetarium am Insulaner. Hier können Besucher*innen faszinierende 360-Grad-Shows, astronomische Live-Vorträge und noch einiges mehr an Kulturprogramm erleben.

  • Planetarium am Insulaner, Munsterdamm 90, 12169 Berlin
    Die Kasse im Planetarium wiederum öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

Hahneberg Spandau

Der Gipfel des Hahnebergs (87m) kann auf mehreren Wegen erklommen werden. In jedem Fall wird die Anstrengungen mit einer atemberaubenden Sicht belohnt – über die Spandauer Altstadt hinweg eröffnet sich der Blick bis hin zum Fernsehturm. Wer die Augen von der Ferne losreißen kann, der findet Gefallen an einem Besuch in der Sternwarte Bruno H. Bürgel unterhalb des Gipfels in 83 Metern Höhe. Das 61-cm-Cassegrain-Teleskops ist heute das leistungsfähigste Spiegelteleskop Berlins und lässt Besucher*innen den Mond, Planeten oder ferne Galaxien beobachten.

  • Hahneberg Spandau, Heerstraße 549, 13593 Berlin

Grunewald – Teufelsberg

Vor 4 Jahren zog der Supermond viele Berliner*innen auf den Drachenberg (99 m). Noch heute sind die Aussichtspunkte im Grunewald ein Geheimtipp zum in die Sterne gucken.
Vor 4 Jahren zog der Supermond viele Berliner*innen auf den Drachenberg (99 m). Noch heute sind die Aussichtspunkte im Grunewald ein Geheimtipp zum in die Sterne gucken. Foto: Imago/POP-EYE

Der Teufelsberg im Grunewald ist Trümmerberg und Aussichtspunkt zugleich – auf 120 Meter Höhe blickt man über Berlin und durch die bizarren Gebilde der ehemaligen Flugüberwachungs- und Abhörstation der US-amerikanischen Streitkräfte funkeln die Sterne.
Bis 22 Uhr hat auf dem Karlsberg der Grunewaldturm geöffnet. Von der Aussichtsplattform in 36 Metern Höhe blickt man über die Havel in den Sternenhimmel.

  • Teufelsberg, Teufelsseechaussee 10, 14193 Berlin

Wuhletal Wanderweg

Im Osten der Stadt bietet der Wuhletal-Wanderweg mit Kienberg (102 m), Ahrensfelder Bergen (114,5 und 101 m) und Biesdorfer Höhe (82 m) Aussichtspunkte zum In-die-Sterne-gucken. Auf der 15,4 Kilometern langen Strecke läuft man mal links, mal rechts der Wuhle – ein noch bis in die 1980er Jahre eher als Abwasserkanal bekanntes „Fließgewässer“. Heute tummeln sich in dem sauberer Bach sogar kleine Fische und gelegentlich bestimmt ein verwirrter Sternegucker, den die Sterne zu sehr geblendet haben.

  • Wuhletal, Landsberger Allee/ Zossener Straße, 12685 Berlin

Berliner Parks

View this post on Instagram

🐻💛🐰

A post shared by Madelaine Narvaez (@madalena_n) on

Wer die Wanderschuhe endgültig an den Nagel gehangen hat und sich nicht auf einen der Berliner Berge quälen will, der sollte es sich in einem dieser Parks bequem machen.

View this post on Instagram

Love my Summer Berlin nights, especially with this luscious full moon. #fullmoon #berlin #berlinnights #berlinsummernights #summernights #summer #friedrichshain #park #volkspark #volksparkfriedrichshain #fullmoonincapricorn

A post shared by Jazmin Medrano (@jazminmedrano1) on

Die offenen Flächen der Hasenheide als auch die künstliche Erhebung Rixdorfer Höhen, der große Bunkerberg des Volkspark Friedrichshain sowie seine Freiluftplätze und zu guter Letzt der Tiergarten mit seinen 210 Hektar Gesamtfläche laden auf eine Nacht unter dem Sternenhimmel ein.

  • Hasenheide, Columbiadamm 160, 10965 Berlin
  • Volkspark Friedrichshain, Am Friedrichshain, 110407 Berlin
  • Tiergarten, Straße des 17. Juni, 10785 Berlin

Lübarser Höhe

Die Lübarser Höhe bietet mit ihren 85,3 m einen atemberaubenden Rundblick auf Berlin und das Umland. Von hier oben scheint die Großstadt und ihr Lärm weit entfernt. Am Hang erwartet einen eine große Grünfläche, auf der man unmittelbar den Blick in den Himmel wirft. Wirklich dunkel wird es in Berlin nur in den Randbezirken und so lässt es sich hier fast in vollkommener Stille in die Sterne gucken.

  • Freizeit- und Erholungspark Lübars, Quickborner Straße, 13469 Berlin

Sternenpark Westhavelland

Letzten Freitag zog es mich aufgrund der guten Wetterbedingungen in den Sternenpark. Es war schön mal wieder unter dem realen Sternenhimmel zu stehen (Insider). 😉 🙂

Posted by Tom Radziwiłł – Fotografie on Monday, October 15, 2018

Tausende Sterne funkeln hier am Firmament – dass wir sie heute noch in ihrer Fülle sehen können, verdanken Astronom*innen den an diesem Ort streng geregelten Lichtemissionen. Im Jahr 2014 wurde der Naturpark Westhavelland nicht nur zum 1. Sternenpark Deutschlands gekürt, weltweit dürfen sich weniger als 30 Regionen so nennen, sondern zugleich auch zum Lichtschutzgebiet gemacht. Besonders geeignet zum Sterne beobachten ist die 40 Quadratkilometer große Kernzone zwischen Gülpe und Nennhausen. Empfohlene Beobachtungsplätze haben einen relativ freien Horizont, sind gut erreichbar und ein dortiges Verweilen beeinträchtigt den Naturschutz nicht.

  • Sternenpark Westhavelland, Pareyer Dorfstraße, 14715 Havelaue, ÖPNV: Bhf. Rathenow (15 km)

Der dunkelster Ort Deutschlands: Gülpe

In der Nacht von Sonntag auf Montag war ich am dunkelsten Ort Deutschlands, bei Gülpe in Brandenburg. Hier habe ich die…

Posted by Robin Berndt Photography on Thursday, April 2, 2020

Gut 100 Kilometer von der hell erleuchteten City entfernt liegt der dunkelste Ort Deutschlands – ein Dörfchen namens Gülpe. Nirgendwo ist die Nacht schwärzer und leuchten die Sterne heller als in dem 150-Seelen-Dorf. Mit schweren Teleskopen im Gepäck pilgern aus allen Teilen des Landes Astronom*innen nach Gülpe, doch kann man die Milchstraße dort auch mit bloßem Auge erkennen. Da die wenigen Kommunen in der Umgebung knapp bei Kasse sind, bleibt nachts die Straßenbeleuchtung um Strom zu sparen meist aus.

  • Gülpe, 14715 Havelaue OT Gülpe, ÖPNV: Bhf. Rathenow (23 km)

Sky Guide

Nachtschwärmer*innen, die ihre Couch lieb gewonnen haben, können sich den Sternenhimmeln mit der Sky Guide App direkt ins Wohnzimmer holen. Der Beobachtungsort, die Beobachtungszeit sowie die Blickrichtung werden im sogenannten „Live mode“ automatisch dank GPS-, Echtzeit- und Kompasssteuerung. Einmal im Kreis gedreht erscheint so die Milchstraße neben dem Großen Wagen zwischen Couch und Fernseher.


Mehr Himmelblau?

Wer in Berlin hoch hinaus will, sollte die Stufen dieser Türme erklimmen. Wem der Boden der Tatsachen lieber ist und wem die Sterne nach dieser Liste nur so vor den Augen schwirren, der sollte Zuflucht in einem der schönsten Parks Berlins suchen. Du willst mal richtig die Seele baumeln lassen und nicht ständig von Yogaphanatiker*innen umgeben sein? An diesen 12 Orten fühlt man sich (fast) wie allein. Noch mehr Ausflugstipps? In unserem Berlin-Guide findet ihr zahlreiche Tipps für alle Interessenlagen.

Mehr über Cookies erfahren