Kino & Film in Berlin

„Still the Water“ im Kino

Still the Water

„Still the Water“ ist ein betörend konsequenter Film, der in intensiven Bildern von der Kraft des Loslassens erzählt. Der schweigsame Teenager Kaito, der mit seiner Mutter aus Tokio in ein kleines Küstendorf auf der subtropischen Insel Amami gezogen ist, hat die Trennung seiner Eltern noch nicht verwunden. Er gibt der Mutter die Hauptschuld, und in die Trauer des Kindes mischt sich dabei die Eifersucht des jungen Mannes auf die Konkurrenten. Seine Freundin Kyфko hingegen hat sich innig liebende Eltern, herzliche Althippies, die eine Strandpension betreiben. Doch die Mutter ist schwer krank, und als sie stirbt, versagt Kaito. Durch seine Theorie über das Verhältnis von Sex und Tod, die auf ein schauriges Erlebnis zurückgeht, ist er nicht in der Lage, Kyфko die Nähe zu geben, die sie jetzt braucht. Erst als er seine Angst vor dem Meer überwindet, kann er auch das Leben als fließenden Zustand, als beständige Veränderung akzeptieren.
Der japanischen Regisseurin Naomi Kawase gelingt das Paradox, eine starke Aussage zu transportieren und zugleich jeden abstrakten Schluss zu vermeiden. Dieser würde den delikaten Erzählgestus beschädigen, der stets ganz schlicht im Hier und Jetzt der Situation verbleibt. Auch wenn er eine tröstliche Geschichte über Krankheit und Tod, über Trauer und Heilung erzählt, versucht der Film keine therapeutischen Ratschläge zu geben. Denn seine Moral ist eine ästhetische im wörtlichen Sinne: Schau hin, lass dich berühren, tauche ein. Es sind die physischen, spürbaren Dinge des Lebens, die Trost und Rettung bringen für den, der sich darauf einlässt. Alles erzählt: ein Sturm, uralte Bäume, Körper, die sich berühren, Mahlzeiten, ein Fahrrad, das die Küstenstraße entlangfährt. Das ländliche Japan wird zum beseelten Sehnsuchtsort, ein an der Oberfläche so vertraut modernes und zugleich berückend fremdes Land, irgendwo zwischen Hokusais Ideallandschaften und Murakamis popkulturellen Miniaturen.

Text: Stella Donata Haag

Bild: 2014 FUTATSUME NO MADO / Japanese Film Partners / Comme des C

Orte und Zeiten: „Still the Water“ im Kino in Berlin

Still the Water (Futatsumo no mado), Japan/Spanien/Frankreich 2014; Regie: Naomi Kawase; Darsteller: Nijirф Murakami (Kaito), Jun Yoshinaga (Kyфko), Miyuki Matsuda; ?120 Minuten

Kinostart: Do, 30. Juli 2015

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