Kultur & Freizeit in Berlin

Street-Yogis bevölkern Berlin

Über 1?000 Street-Yogis aus Kork tummeln sich mittlerweile auf Berliner Verkehrs­schildern – einige haben ihr Repertoire um Stricken oder Radfahren erweitert

yogisAuf den Bürgersteigen der Schloßstraße, der wichtigsten Einkaufsmeile im Süden von Berlin, herrscht regelmäßig großes Gedränge. Wer hier seine Ziele erreichen will, heftet den Blick starr nach vorne und behält die Einkaufstüten fest im Griff. Die kleinen Figuren, die sich hoch oben auf einigen Straßenschildern befinden, werden deshalb häufig übersehen. Es sind kleine Männchen, die in seltsamer Haltung verharren. Ihr Schöpfer, Josef Foos, ein Yoga-Lehrer, hatte 2009 begonnen, die Figuren aus zerschnittenen Korken und Schaschlikspießen zu fertigen und sie dann auf Berliner Straßenschildern zu befestigen. „Street-Yogis“ nennt er sie, denn sie praktizieren unterschiedliche Yoga-Stellungen: Das auf der Schloßstraße übt sich im Virabhadrasana I, der ersten Kriegerstellung. Wobei die Männchen – viele der rund 1?000 in Berlin verteilten Exemplare finden sich in Neukölln, Kreuzberg oder Schöneberg – seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 aber auch andere Dinge können: Fußball spielen, Strohballen rollen, Skateboard fahren, klettern oder stricken.

yogis_2Darüber hinaus hat Foos begonnen, sich mit seinen Street-Yogis auf andere Straßenkünstler zu beziehen. So sieht eine Figur aus wie eines der orangefarbenen Bohnenmännchen von Dave the Chimp, einem bekannten Londoner Street-Artisten, der auch in Berlin schon mal aktiv war. Tatsächlich ist aber auch Josef Foos Schaffen Resultat einer Inspiration: Ein Zeitungsartikel über den Londoner Street-Art-Künstler Slinkachu, der Passanten mit winzigen Miniaturmodellfiguren überrascht, die er im öffentlichen Raum zu lustigen, hintersinnigen oder dramatischen Szenen platziert, brachte Josef Foos auf die Idee mit seinen Korkmännchen.

Text: Rebekka Wiese

www.street-yoga.de

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