Berliner Zeichner

Supermans Regisseur: Viktor Bogdanovic

Klingt wie von Loriot: Der Schweizer Zeichner Viktor Bogdanovic hat jugoslawische Wurzeln, zeichnet in Berlin den bekanntesten US-Superhelden und der ist neuerdings Chinese

Viktor Bogdanovic

Foto: F.A. Schaap

Superman ist jetzt Chinese. Er heißt Kong Kenan, trägt – wie es sich für einen Kommunisten gehört – ein rotes Kostüm und gehorcht dem Staat, der ein eigenes Superheldenprogramm gestartet hat. Ausgedacht hat sich diese neue Inkarnation des traditionsreichsten US-Superhelden Gene Luen Yang, selbst Amerikaner mit chinesischen Wurzeln. Gezeichnet werden die Hefte von dem in Berlin lebenden Künstler Viktor Bogdanovic.
Der 35-Jährige, der beinahe Deutschlehrer geworden wäre, hat kurze schwarze Haare und ein jungenhaftes Lächeln. Er ist etwas schüchtern, weiß aber ganz genau, was er nicht will: Bitte keine Posen beim Fotografieren und keine Homestorys. Nichts Unechtes, bitte!
So sehen auch seine Bleistiftzeichnungen aus, mit denen er bereits Comicserien aus dem DC-Verlag wie „Batman: Arkham Knight“ und „Suicide Squad Most Wanted“ veredelt hat: schlank, modern, elegant, ohne große Mätzchen, etwas flächig, damit der Tuscher Möglichkeiten hat, Details einzuarbeiten. Nun also ist er beim größten Comicverlag der Welt und dem größten Superhelden aller Zeiten angekommen und könnte nicht glücklicher sein.
„Dabei war ich als Kind eigentlich ein Marvel-Fan“, erzählt Bogdanovic grinsend, „Erik Larsen, der damalige ‚Spider-Man’-Zeichner war mein Einstieg, von ihm war ich besessen.“ Aufgewachsen ist er in Basel, seine Eltern kamen aus dem damaligen Jugoslawien in die Schweiz. Doch nach einem Studium der Germanistik und Literaturwissenschaften in Belgrad, einem Versuch als Journalist und dem Berufsziel Lehrer, warf er das Ruder herum. Nach Berlin kam Bogdanovic aus ganz profanen Gründen: „Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind sehr hoch, besonders wenn du freischaffender Künstler bist.“ Dabei ist er eigentlich ein eher bescheidener Mensch: „Ich hatte wahnsinniges Glück, dass es mit der Zeichnerkarriere so schnell ging. Ich bin gleich mit „Batman“ eingestiegen. Das ist selten. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“
Etwas mehr dürfte da schon hinter stecken. Man übernimmt nicht einfach mit Glück einen der größten Superhelden aller Zeiten und führt ihn auch noch zurück in die Bestsellerlisten. Denn gerade Superman hatte nach dem Neustart vor vier Jahren Pech: klumpige Geschichten, dumme redaktionelle Entscheidungen (Clark Kent ist kein Journalist mehr, sondern Blogger), ein Zeichner, der nicht zur Figur passte. Erst mit dem Team Yang/Bogdanovic kam ihre Version von Supi erneut in die Top Ten. „DC hat wieder gute Geschichten“, versucht der Künstler den Erfolg zu erklären, „und sie haben gute Autoren/Zeichner-Teams zusammen gestellt.“
Bogdanovic und Yang arbeiten full script, d.h. der Autor ist der Drehbuchautor, der dem Zeichner alle Dialoge und Beschreibungen aller Panels und Seiten zuschickt. „Der Zeichner ist der Regisseur, der darauf achten muss, dass alles funktioniert.“ Das lässt relativ wenig Platz für persönliche Extravaganzen. Und noch weniger für Freizeit: Viktor Bogdanovic hat für die Fertigstellung eines kompletten Heftes sportliche zwei Monate Zeit und versucht, eine Seite pro Tag zu zeichnen. „Das ist relativ intensiv. Von Berlin habe ich bisher wenig gesehen.“

Der chinesische „Superman“ von Yang und Bogdanovic erscheint zum Jahreswechsel auf Deutsch. „Batman: Arkham Asylum“ (Panini, 132 S., 14,99 €) findet man in jedem gutsortierten Comicfachgeschäft.

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