Berlinale 2019

Tagestipps Berlinale | 10.2

Merata: How Mum Decolonised The Screen

(NATIVe), 10.2., Cubix 7, 12 Uhr 87 Min.,
R: Hepi Mita

Das Kino der Maori sorgt gelegentlich für Aufsehen, ist aber in seiner Vielschichtigkeit kaum bekannt. Allein deshalb ist die Entdeckung von Merata Mita, der ersten Maori-Regisseurin Neuseelands, ein Geschenk. Mit ihrem Film „Mauri“, dem weltweit ersten Spielfilm einer indigenen Regisseurin überhaupt, schrieb sie 1988 Geschichte. Aber noch spannender ist es, durch diesen Film, mit dem Sohn Hepi ihr Vermächtnis würdigt, Merata Mita als eine radikale, keine Kontroversen scheuende Filmemacherin zu entdecken. Ihre Dokumentarfilme über das Leben der Maori machen im besten Sinne das Persönliche politisch: Kino als wirkungsvolle Waffe der Aufklärung und Emanzipation. Andreas Döhler


African Mirror

(Forum) , 10.2., Silent Green, 20 Uhr 84 Min.,
R: Mischa Heidinger

Was Bernhard Grzimek in Deutschland für die bedrohte Tierwelt, das war René Gardi (1909-2000) in der Schweiz für Afrika, das er in Fernsehsendungen, Büchern und Filmen („Mandara“ erhielt 1960 bei der Berlinale eine lobende Erwähnung) seinen Landsleuten nahebringen wollte. Im Gegensatz zu Mischa Hedinger, der für seinen Kompilationsfilm auf das komplette Archiv Gardis zurückgreifen konnte, sehe ich bei Gardi durchaus Ansätze für eine Problematisierung der eigenen Arbeit: Die Überflutung afrikanischer Straßenmärkte mit westlichem Tand passt noch zum Bild von Afrika als eine zu bewahrende Natur, aber Gardi spricht eben auch an, dass er das Dokumentarische inszenierte. Frank Arnold


Monștri (Monsters)

(Forum), 10.2., Cubix 9, 22.15 Uhr 116 Min.,
R: Marius Olteanu

Das rumänische Kino ist seit vielen Jahren eines der interessantesten und experimentierfreudigsten weltweit. Vor allem Realismusfragen werden immer wieder auf höchst spannende Weise gestellt und originell aufgelöst. In diesen Zusammenhang kann man nun auch „Mobstri“ („Monsters“) von Marius Olteanu stellen. Wir sehen drei Kapitel aus dem Leben eines Paars. Zuerst Dana, die mit einem Zug ankommt, aber nicht nach Hause will. Sie bezahlt den Taxifahrer für ein langes, zerstreutes, dabei aber immer relevantes Gespräch. Das zweite Kapitel gehört Andrei, ihrem Mann. Das dritte gehört dem Paar, oder niemand mehr. Marius Olteanu war Regieassistent von Cristi Puiu bei „Sieranevada“, also bei einem Schlüsselwerk des Neuen Rumänischen Kinos. Sein eigener, erster Spielfilm (im eigenwilligen Format 1:1, das Bild ist genauso hoch wie breit) ist geprägt von der lakonischen Beiläufigkeit, mit der auch Olteanu die Intelligenz seiner Inszenierung hinter einem Gestus der radikalen Zufälligkeit verbirgt. Bert Rebhandl

Monștri © Luchian Ciobanu