Berlinale 2019

Tagestipps Berlinale | 11.2

Mid90s

(Panorama), 11.2., CinemaxX 7, 9.30 Uhr, 85 Min.,
R: Jonah Hill, D: Sunny Suljic, Katherine Waterston, Lucas Hedges

Von seiner Mutter fühlt er sich gegängelt, von seinem älteren Bruder erfährt er meist nur brachiale Gewalt. Kein Wunder also, dass sich der 13-jährige Stevie (Sunny Suljic) Bestätigung und Zuwendung anderswo sucht: in einer Gruppe von überwiegend älteren Skatern, deren Respekt sich der Anfänger mit ebenso waghalsigen wie dummen Aktionen erwirbt. Das Regiedebüt des Schauspielers Jonah Hill blickt detailgetreu und überzeugend auf die Skaterszene im Los Angeles der 90er-Jahre: den Slang, die Angebereien und die Verachtung jeglicher Autorität. Doch bald schon zeigen sich auch in dieser Clique erste Risse.    Lars Penning

Mid90s © 2018 Jayhawker Holdings

Nos défaites

(Forum), 11.2., Silent Green, 20 Uhr, 94 Min.,
R: Jean-Gabriel Périot

„Swan, was ist eine Klasse?“ Diese und ähnliche Fragen stellt Jean-Gabriel Périot in „Nos défaites“ („Unsere Niederlagen“) an Schüler aus einem Gymnasium in Ivry-sur-Seine, einer Gemeinde im Südosten von Paris. „Was ist Politik für dich?“ Die Schülerinnen und Schüler sind in diesem Dokumentarfilm mehrfach beteiligt: sie spielen und inszenieren gemeinsam – und mit Hilfe von Périot – Szenen aus revolutionären Filmen aus der Zeit um und nach 1968. Wichtiger sind aber die Momente der Reflexion: Périot fragt aus dem Off nach dem Verständnis von Politik der jungen Leute. Im Kern ist „Nos défaites“ ein Revolutionsfilm, der nach den Bedingungen der Möglichkeit von Revolution in einer heutigen Welt fragt, und nach möglichen Subjekten einer Revolution sucht.  Bert Rebhandl

Nos défaites | Our Defeats © Envie de Tempête Productions

La caduta degli dei

(Hommage), 11.2., Zeughauskino, 21.30 Uhr, 156 Min.,
R: Luchino Visconti, D: Dirk Bogarde, Helmut Berger, Charlotte Rampling

Eine Ära geht zu Ende, eine neue Zeit bricht an: Götterdämmerung – so die Titelübersetzung des Dramas „La caduta degli dei“ (1969), in dem Luchino Visconti in einer für sein Spätwerk typischen Mischung aus opernhafter Inszenierung und peniblem realistischen Detail von einer deutschen Industriellenfamilie erzählt, deren Mitglieder sich in der Zeit des Nationalsozialismus selbstzerstörerisch in den Ruin treiben.  Inmitten mörderischer Opportunisten (Dirk Bogarde) und perverser Pädophiler (Helmut Berger)  ist Charlotte Rampling  in ihrer Rolle als Elisabeth Thalmann die einzig moralisch integere Person. Konsequenterweise endet sie im KZ.   Lars Penning

La caduta degli dei | The Damned | Die Verdammten © 1969 Warner Bros.

Kommentiere diesen Beitrag

[Fancy_Facebook_Comments]