Berlinale 2019

Tagestipps Berlinale | 13.2

Fortschritt im Tal der Ahnungslosen

(Forum), 13.2., Arsenal 1, 12.30 Uhr, 67 Min.
R: Florian Kunert

Bestimmte Regionen Sachsens gelten mittlerweile als Synonym für rechtsradikale Umtriebe und Fremdenhass. Regisseur Florian Kunert macht mit fünf jungen syrischen Flüchtlingen ein Experiment: Sie treffen im abgewrackten Ex-DDR-Betrieb „Fortschritt“ auf  Menschen, die ihnen bei der Integration behilflich sein möchten. In einer Reihe von Re-Enactments wird nun durchgespielt, wie es damals war in der DDR: in der Schule, bei den Jungen Pionieren, in der NVA. Und während sich die Syrer darauf ihren eigenen Reim machen, zeigt sich, wie nachhaltig das Wertesystem einer untergegangenen Diktatur auch bei jenen Leuten nachwirkt, die sich selbst gar nicht als ausländerfeindlich begreifen.  Lars Penning

Fortschritt im Tal der Ahnungslosen © tsb / Joanna Piechotta

Cleo

(Generation Kplus), 13.2., Filmtheater am Friedrichshain , 15.30 Uhr, 99. Min,
R: Erik Schmitt, D: Marleen Lohse, Jeremy Mockridge, Heiko Pinkowski

Eine Schatzsuche quer durch Berlin, mit der die Protagonistin Cleo die Schicksalsschläge ihrer Kindheit ungeschehen machen möchte. Hilfe versprechen dabei nicht nur drei menschliche Gefährten, sondern auch die Geister einiger legendärer Berliner, von Heinrich Schliemann bis zu den Gebrüdern Sass. Erik Schmitts Langfilmdebüt gefällt durch Tempo, Witz und Originalität, wozu auch der Einsatz von Animationen gehört. Dafür sollte sich auch ein Verleih finden lassen, bevor der Film um Mitternacht im Kleinen Fernsehspiel versendet wird.  Frank Arnold

Cleo © Johannes Louis

Das Fahrrad

(Retrospektive), 13.2., CinemaxX 8, 19.30 Uhr, 90 Min.,
R:  Evelyn Schmidt, D: Heidemarie Schneider, Roman Kaminski, Anke Friedrich

„Macht euren Scheiß doch alleine!“ Mit diesem Aufschrei schmeißt Susanne den öden Job an der Stanzmaschine hin. Auf ihrem Weg in die sozialistische Gesellschaft – die im Defa-Film immer das Ziel sein sollte – gerät die ungelernte Arbeiterin und alleinerziehende Mutter in Halle (von Heidemarie Schneider mit brennendem Herzen gespielt) ein paar Mal sehr heftig ins Straucheln, Schnapsexzesse in der Disko inklusive. Ein 35 Jahre alter Film aus einem untergegangenen Land, der mit seiner Gegenwärtigkeit überrascht: einer aufmüpfigen Heldin, deren Probleme – zu wenig Geld und zu wenig Zeit – durchaus heutig sind. Von den damaligen Machthabern in der DDR als „verwirrend“ und „misslungen“ eingestuft.  Alexandra Seitz

Das Fahrrad | The Bicycle © DEFA-Stitung / Dietram Kleist