Berlinale 2019

Tagestipps Berlinale | 16.2

Years of Construction

(Forum) 16.2., Zoo Palast 2, 10 Uhr (Lars Penning), 93 Min.
R: Heinz Emigholz

Ein Grundprinzip der Architekturfilme von Heinz Emigholz besteht darin, die Veränderung der Gebäude im Lauf der Zeit sichtbar zu machen und die Spuren ihrer Nutzung zu zeigen. In „Years of Construction“ verbindet er diesen Aspekt nun erstmals mit der Dokumentation eines Neubaus: 2013 ließ die Kunsthalle Mannheim einen für die Präsentation von Skulpturen genutzten Erweiterungsbau aus den 1980er Jahren abreißen und durch ein neues Gebäude ersetzen. Emigholz begleitet die bis 2018 währenden Bauarbeiten im bewährten Stil seiner Film-Essays: Zu sehen sind unkommentierte, nahezu fotografische Aufnahmen des  Gebäudes, die mit einem sorgfältig komponierten Soundtrack aus Originaltönen unterlegt sind und in ihrer Rauminszenierung die Imaginations- und Abstraktionskraft des Zuschauers fordern.  Lars Penning

Years of Construction © Heinz Emigholz Filmproduktion

Talking About Trees

(Panorama), 16.2., Zoo Palast 2, 13 Uhr, 90 Min.,
R: Suhaib Gasmelbari

Es ist der Traum vom eigenen Kino, den die alten Männer der „Sudanese Film Group“ (SFG) träumen. Leer stehende Kinosäle und verfallene Freiluftspielstätten gibt es zwar viele in Sudans Metropolen Omdurman und Khartum, aber jede Initiative, die einst blühende Filmkultur des Landes wiederzubeleben, wird von der Staatsautorität sabotiert. Der Dokumentarfilm „Talking About Trees“ begleitet die Veteranen der SFG bei dem vergeblichen Bemühen ihren Traum gegen alle Hindernisse wahr werden zu lassen, erzählt ihre Biographien als Regisseure und Filmarchivare und gibt einen spannenden Einblick in die Geschichte der sudanesischen Filmproduktion, die einst eine der größten Afrikas war.   Andreas Döhler

Talking About Trees © Agat Films & Cie

Greta

(Panorama)  16.2., CineStar 3, 19.30 Uhr, 97 Min.,
R: Armando Praça, D: Marco Nanini, Denise Weinberg, Demick Lopes

Was tut man als Krankenpfleger nicht alles, wenn die beste Freundin schwerkrank einen Platz in der überfüllten Klinik braucht? Richtig, man knebelt einen blutigen Patienten, kidnappt ihn und macht mit ihm zuhause rum. So tut es auch Pedro, 70, der einen seltenen – aber, wer weiß, vielleicht auch doch nicht so seltenen – Fetisch pflegt: Er hört beim Sex nur zu gerne auf den Namen Greta Garbo. Vor allem wegen ihrer Zeile aus dem Klassiker „Grand Hotel“ (1932), in dem die Garbo eine Ballerina gibt: „I want to be alone“. Was Pedro allerdings eher in Situationen sagt, in denen er gar nicht allein sein will. Ach ja, da war noch was: Der gekidnappte Patient entpuppt sich als Killer. Oops. Langsames Drama mit langen Einstellungen und Bildern entgegen aller Beauty-Standards aus Hollywood. In einem zunehmend queerphoben Brasilien ist die Präsenz der trans* Charaktere wichtig.   Stefan Hochgesand

Greta © Aline Belfort