Berlinale 2019

Tagestipps Berlinale | 17.2

Dust

(Perspektive Deutsches Kino), 17.2., CinemaxX 5, 14 Uhr, 80 Min.,
R: Udita Bhargava, D: Morten Holst, Vinay Pathak, Abu Bakr Golu

Für viele Filme in der Perspektive Deutsches Kino sind die Filmemacher nicht eben weit gereist. Udita Bhargava dagegen hatte für ihr an der Filmuniversität Konrad Wolf entstandenes Werk Größeres im Sinn: In ihre indische Heimat zog es die Regisseurin, wo sie den bemerkenswert stilbewussten „Dust“ drehte. In starken Breitwandbildern fängt sie die Schönheit und das Elend Indiens ein und erzählt von David, der auf der Suche nach Spuren seiner verstorbenen indischen Freundin ins Land zurückgekehrt ist. Erinnerungen leiten ihn, vor allem aber die Hoffnung, in der Ferne wieder zu sich selbst zu finden.  Michael Meyns

Dust © Philipp Meise / unafilm

Queer Mix: Shadows of the Past – Exploding Lives

(Berlinale Shorts), 17.2., International, 16 Uhr, 150 Min.,
R: Manuel Abramovich, Victoria Giesen Carvajal, Flóra Anna Buda u.a.

In der Blue Boy Bar der Schöneberger Kleiststraße tummeln sich Escort-Jungs aus Rumänien, um Freier zu finden. In dokumentarischer Form porträtiert „Blue Boy“ ein Dutzend dieser jungen Männer, deren Sex, aber nicht deren Seele man kaufen kann: Während ihre Interview-Statements aus dem Off laufen, sehen wir sie im warmen, starken Licht der Bar. Mal prahlend, mal Pokerface aber oft auch: verunsichert. „Hêctor“ erzählt von einer Truppe Jungs auf einer den Gezeiten ausgelieferten Insel. Gabriel ist wie gebannt von der titelgebenden, androgynen Kreatur. Und „Entropia“ feiert, in Neonfarben animiert, einen weiblichen Reigen. Die queere Compilation der Shorts ist ambitionierte Filmkunst, aber zugänglicher als in den letzten Jahren.   Stefan Hochgesand

Blue Boy by Manuel Abramovich

El despertar de las hormigas

(Forum), 17.2., CineStar 8, 16.30 Uhr, 94 Min.,
R: Antonella Sudasassi Furniss, D: Daniella Valenciano, Leynar Gómez, Isabella Moscoso

Isa und Alcides haben bereits zwei kleine Töchter, doch Alcides wünscht sich noch einen Sohn. Isa, die keine Kinder mehr will, weiß nicht recht, wie sie ihrem Mann das beibringen soll. Denn in der Kleinstadt in Costa Rica, in der die Familie in bescheidenen Verhältnissen lebt, wird an der hierarchischen Ordnung der Geschlechter erst ganz zaghaft gerüttelt. Das mit überschaubaren Mitteln entstandene Langfilmdebüt von Antonella Sudasassi Furniss erzählt so eindringlich wie zuversichtlich vom Bemühen einer einfachen Frau um mehr Selbstbestimmung. Und findet dabei für den inneren Prozess eines allmählichen Bewusstwerdens überraschende, fantasievolle und immer überzeugende Bildideen.  Alexandra Seitz

El despertar de las hormigas | Hormigas © Betta Films