Berlinale 2019

Tagestipps Berlinale | 8.2

Stardust Memories

(Hommage), 8.2., Zeughauskino, 19 Uhr, 88 Min.,
R: Woody Allen, D: Woody Allen, Charlotte Rampling, Jessica Harper

„Stardust Memories“ (1980) zeugt vom vorläufigen Abschluss einer Entwicklung: Woody Allen hatte sich in den 1970er-Jahren von einem Gagschreiber mit Hang zur Parodie langsam zu einem Filmemacher gewandelt, der dank der vermittelnden Wirkung von Humor seine persönlichen Probleme, Neurosen  und Lieblingsthemen für jedermann zugänglich machte. Die bittere quasi-autobiographische Komödie zeigt bereits einen Regisseur, der sich von der Erwartungshaltung des Publikums und der Kritiker in seiner Arbeit behindert sieht. Charlotte Rampling verkörpert die Schauspielerin Dorrie, die von sich selbst sagt: „Ich bin faszinierend, aber ich bringe Ärger.“
Lars Penning

Stardust Memories © 1980 Metro Goldwyn Mayer Studios Inc. All Rights Reserved.

Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse

(Retrospektive), 8.2., Zeughauskino, 21 Uhr 151 Min.,
R: Ulrike Ottinger, D: Veruschka von Lehndorff, Delphine Seyrig, Tabea Blumenschein

Wenn es nach Ulrike Ottinger gegangen wäre, dann hätte Google auch Susy heißen können: Susy wie Suchsystem, eine von drei Nebenfiguren in ihrem Film „Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse“, die sich auf frühe computerisierte Aspekte der Massenmedien bezogen. Ottinger zog 1984 eine Linie aus der frühen Moderne (Fritz Lang, „Doktor Mabuse“) in eine Zukunft, die damals gerade apfelförmig wurde. Dorian Gray (Veruschka von Lehndorff) ist eine Kunstfigur mit Retortenleben zum Zwecke der Auflagensteigerung. Diese Geschichte kontroverser Frauenpower wird mit vielerlei Mythologie und Performance angereichert – ein Klassiker, der in den Suchsystemen ganz nach oben gehört.   Bert Rebhandl

Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse © Ulrike Ottinger

Flatland

(Panorama), 8.2., Cinestar 3, 22.45 Uhr 117 Min.,
R: Jenna Bass, D: Fatih Baloyi, Nicole Fortuin, Izel Bezuidenhout

Der Gebrauch von Revolvern ist in dieser tragikomischen Roadmovie-Verfolgungsjagd moralisch, sagen wir mal, etwas fragwürdig. Andererseits würde man das sicher weniger überrascht zur Kenntnis nehmen, wenn nicht Frauen-, sondern Männerhände am Abzug lägen. Und schon rattern nicht nur Revolver, sondern auch Fragen rund um Gender Performance im Kopf. Die Kriminalkommissarin Beauty Cuba braust in einer für Polizist*innen atypisch stylischen Montur im Kleinwagen den Freundinnen Natalie und Poppie hinterher, die diverse Verbrechen auf dem Kerbholz haben. Andererseits hat man Natalie zuvor Dinge angetan, die sich kaum verzeihen lassen. Ein trefflicher Panorama-Eröffnungsfilm, mit einer Message, die dieses Jahr für viele Filme der Sektion gilt: Du kannst ausbrechen aus dem Definitionskäfig, den andere dir errichtet haben.
Stefan Hochgesand

Flatland © Flatland Productions

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