Berlinale 2019

Tagestipps Berlinale | 9.2

Easy Love

(Perspektive Deutsches Kino), 9.2., Colosseum 1, 12 Uhr, 88 Min.,
R: Tamer Jandali
Easy Love © Janis Mazuch

Um ungewöhnliche Lebens- vor allem Liebesmodelle geht es im Debütfilm von Tamer Jandali, der als Eröffnungsfilm der Perspektive Deutsches Kino zu sehen ist. Nicht in Berlin, sondern in Köln hat Jandali einen Sommer gedreht, in einer Form, die er dokumentarischen Spielfilm nennt. Vier Menschen hat er beobachtet, die mehr oder weniger sich selbst spielen und jenseits der gesellschaftlichen Konventionen leben. Doch diese anderen Leben, die in der Theorie so verlockend klingen, sind in der Praxis deutlich schwerer durchzuhalten. Ein genau beobachtetes, authentisches Porträt einer Generation, die alle Freiheiten hat, aber oft an sich selbst scheitert. Michael Meyns


Hannah

(Hommage), 9.2., Zeughauskino, 19.30 Uhr, 95 Min.,
R: Andrea Pallaoro, D: Charlotte Rampling, André Wilms
Hannah © Partner Media Investment – Left Field Ventures – Good Fortune Films

Hannahs Mann geht ins Gefängnis. Etwas Schreckliches muss passiert sein, denn Hannah sieht sich mit dem fallout konfrontiert: der Verachtung der Umwelt, der Ablehnung der Familie. Wie in Schockstarre bewegt sie sich durch eine Welt, die aufhört, die ihre zu sein. Sie hält an Routinen fest und verliert währenddessen den Boden unter den Füßen. „Hannah“ von Andrea Pallaoro ist ein wortkarges Psychogramm, das üppige Leerstellen wagt – und sich das auch leisten kann, weil Charlotte Rampling in der Titelrolle den Begriff „Furchtlosigkeit“ neu definiert. Sie trägt alles nach Außen und verrät zugleich nichts. Sie ist nur eine ältere Frau, die die Folgen eines schrecklichen Fehlers registriert. Alexandra Seitz


Hellhole

(Panorama), 9.2., CineStar 3, 22.45 Uhr, 87 Min.,
R: Bas Devos, D: Alba Rohrwacher, Willy Thomas, Hamza Belarbi
Hellhole © minds meet

Brüssel ist die Hauptstadt Europas, aber nicht unbedingt eines der ersten Reiseziele. Die Anschläge im Jahr 2016 haben Brüssel ein wenig stärker in den Blickpunkt gerückt. Sie stehen nun auch im Hintergrund eines außergewöhnlichen Films: „Hellhole“ von Bas Devos kann man als eine Art Stadtporträt sehen. Figuren treten auf, dann wieder in den Hintergrund, allmählich verweben sich verschiedene Ebenen: Eine EU-Dolmetscherin hat Konzentrationsprobleme, ein junger Mann (mit Migrationshintergrund) will sich von den falschen Netzwerken abgrenzen, ein Arzt trifft eine Kollegin. Herausragend wird „Hellhole“ durch seine Kamera: Nikolas Karakatsanis schafft eine ganz eigene visuelle Stimmung. Bert Rebhandl