Songwriter

Tamino spielt im Quasimodo

Der neue Star aus Belgien: Tamino twistet westlichen Pop mit arabischen Gewürzen

Foto: Moharam Fouad

Sie kennen Tamino, den Prinzen aus Mozarts „Zauberflöte“, der weiß, wann man die Klappe hält, wann man zur Flöte greift und wann man standhaft sein muss. Aber Sie sollten auch diesen Tamino kennen lernen: Tamino-Amir Moharam Fouad, ein Belgier von 22 Jahren. Wie er gerade bei Kritik und Publikum durch die Decke geht, sucht seinesgleichen: Die EP „Habibi“ sprang auf Platz 1 der französischen Download-Charts, und dann bekam Tamino auch noch den Anchor Award von der Jury rund um David-Bowie-Produzent Tony Visconti. Taminos Idole sind Leonard Cohen und Nick Cave, Jeff Buckley und Tom Waits. Doch Tamino kennt auch Töne, die die altehrwürdigen Herren nicht draufhatten – weil sie in klassisch-westlichen Tonleitern gar nicht existieren. Tamino, dessen Familie aus Ägypten und dem Libanon stammt, hat immer schon arabische Musik gehört.

Die Rede ist von Vierteltönen: Anders als in der westlichen Musik ist eine arabische Oktave nicht in zwölf Halbtonschritte, sondern in 24 Vierteltonschritte unterteilt: doppelt so feine Frequenznuancen. Auf seinem just erschienenen Debütalbum „Amir“ wird Tamino nicht bloß von Radiohead-Bassist Colin Greenwood begleitet, sondern auch von Nagham Zikrayat – einem Ensemble, dem geflüchtete Musiker*innen aus Syrien und dem Irak angehören. Nagham Zikrayat haben warmes Vibrato in ihren Violinen und Bratschen, im Cello und im Kontrabass; sie spielen in der Tradition einer arabischen Firqa auch Horn und Fagott – sowie die Rahmentrommel Riq, die Flöte Nay und die Kurzhalslaute Oud – super Zutaten für den grandiosen, unerhört arabischen Twist.

Quasimodo Kantstr. 12, Charlottenburg, Do 6.12., 22 Uhr, VVK 20 €

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