Kunst und Museen in Berlin

„TanzPlastik“ im Georg Kolbe Museum

"TanzPlastik" – so kommen die unbewegte Statue und der bewegte Tanz zusammen.

Belling_Taenzerin_c_Joerg_P._Anders_Berlin_Georg-Kolbe-MuseumEkstatisch wirbelt die Amerikanerin Loпe Fuller ihre Schleier durch die Lüfte. Eng schmiegt sich ihr Kleid, das mehr offenbart als verdeckt, in der Mitte an. Als wogende Welle hat der Franzose Raoul Larche die Tänzerin, die bereits 1903 auf der Bühne mit fluoreszierenden Effekten arbeitete,  in Gestalt einer Ziervase wiedergegeben. Prinzipiell scheint die Kombination von Skulptur und Tanz wie ein „schwarzer Schimmel“, ist doch erstere statisch und dauerhaft, letzterer hingegen bewegt und flüchtig. Doch eben dieser Gegensatz reizte die Künstler. Die Verewigung weiblicher Anmut geht hier eine Symbiose ein mit der Fixierung von transitorischer Bewegung. In einer pointierten Schau haben die Kuratorinnen Anna Wenzel-Lent und Juliane Kobelius im Kolbe Museum einen – wie könnte es anders sein – rhythmisierten Parcours von Edgar Degas bis Gustav Seitz angelegt. Extreme Biegsamkeit wusste Auguste Rodin in seinen weiblichen Figurinen einzufangen. Beim Kulttänzer Nijinsky legten Ernesto de Fiori wie auch Georg Kolbe das Augenmerk auf die Gemessenheit der Bewegung. Sprechend ist dabei die Gestik der überlangen Hände, ausladende Frisuren bilden oft ein Gegengewicht zu den in den Raum greifenden Figuren. Dies stimuliert maßgeblich die Dynamik im Auge des Betrachters.

Dreh- und Angelpunkt der Schau ist eine Hundertjährige: Selbstvergessen hebt Georg Kolbes „Tänzerin“ vom Boden ab. Fast wie in Trance schwingt sie mit weit ausgebreiteten Armen und suggeriert eine Drehung aus der Körpermitte. Wie ein Katarakt entwickeln sich die eckigen Glieder von Rudolf Bellings goldfarbener Gipsfigur aus dem Jahr 1916 (Abb.). Spannend, wie der Bildhauer nur drei Jahre später die Figuren ins nahezu Abstrakte überführt. Ironisch konterkariert Marino Marini in der „Dansatrice“ einen fülligen Frauenakt beim Spitzentanz. Gustav Seitz huldigt in „Lob der Torheit“ (1960) ebenfalls der Schwerkraft. Man sollte sich auch bei ungünstigem Bodymaß-Index nicht die Freude am ausgelassenen Schwingen nehmen lassen.

Text: Martina Jammers

Foto: Jörg P. Anders / Berlin, Georg Kolbe Museum

tip-Bewertung: Herausragend

TanzPlastik. Die Tanzerische Bewegung in der Skulptur der Moderne Georg Kolbe Museum, Sensburger Allee 25, Charlottenburg, Di–So 10–18 Uhr,
bis 28.5.

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