Musik & Party in Berlin

Tarja Turunen im Interview

Mit ihrer Ex-Band Nightwish eroberte die finnische Sängerin die Charts, seit 2006 gelingt der ausgebildeten Sängerin der Spagat zwischen Klassik und Metal.

Tarja Turunen

Anlässlich ihres Berlin-Konzertes am Dienstag (04.12.) in der Passionskirche haben wir mit ihr über Spätromantik und die Position einer Frau in der männerdominierten Metal-Welt gesprochen.

tip Sie studierten Gesang an der Sibelius-Akademie in Helsinki, die zu den führenden Instituten in Europa zählt. Dann sind Sie nach Deutschland gewechselt und setzten das Studium in Karlsruhe fort, wo einst auch der Komponist Wolfgang Rihm immatrikuliert war.
Tarja Turunen Karlsruhe besitzt exzellente Professoren. Ich dufte u.a. bei Mitsuko Shirai (Gesang) und Hartmut Höll (Liedgestaltung) lernen. Das waren lehrreiche zwei Jahre und Karlsruhe ist auch eine bezaubernde Stadt.

tip Welche Komponisten bevorzugen Sie für Ihre klassischen Programme?
Tarja Turunen Als Kammersängerin liebe ich Mahler und Schumann, bezüglich der Oper geht nichts über Puccini, aber auch Dvo?бk zählt zu meinen Favoriten.

tip Eine Vorliebe für die Epoche der Spätromantik ist nicht zu übersehen.
Tarja Turunen Stimmt. Ich bin auch eine sehr romantische Person. (lacht)

tip Korrespondiert das mit Ihrer Vorliebe für Metal?
Tarja Turunen Definitiv. Auch hier geht es um die großen Gefühle, den theatralen Ausdruck. Das hat mir die Musik, zu der ich Mitte der 90er eher durch Zufall gekommen bin, sofort sympathisch gemacht.

tip Wie sah denn der Zufall aus?
Tarja Turunen Ein paar befreundete Musiker fragten mich, ob ich mir vorstellen könne, für ihre Band zu singen.

tip Das waren Nightwish.
Tarja Turunen Genau. Wir nahmen ein Demo auf, aber das hatte mit Metal überhaupt nichts zu tun, es waren akustische Folk-Songs. Die härtere Schiene entwickelte sich erst im Laufe der Zeit.

tip Sie haben auch nach Ihrem Ausstieg bei Nightwish Metal im Programm?
Tarja Turunen Na, klar. Da komme ich her, das wäre ja verlogen, wenn ich das negiere. Ich liebe noch immer die Kraft des Metals, auch wenn sich die Bands, die ich zu Hause auflege, geändert haben. Im Augenblick höre ich sehr gern Alice In Chains und habe jetzt auch, reichlich spät – ich weiß, Slipknot für mich entdeckt.

tip Wie erlebten Sie die Szene, als Sie begannen zu touren? Die meisten Metal-Fans und -musiker sind noch immer Männer.
Tarja Turunen Ja, aber das stellte für mich kein Problem dar. Mir gegenüber hat sich niemand despektierlich verhalten. Das Touren hat unheimlichen Spaß gemacht, auch wenn es sich anfangs merkwürdig anfühlte, jeden Abend in verrauchten Clubs zu spielen.

tip Für Ihr Berliner Konzert am Dienstag wählten Sie aber keinen Club, sondern die Passionskirche.
Tarja Turunen Ja, ein wundervoller Ort, nicht wahr? Mein Programm ist sehr ruhig gehalten, daher eignet sich der sakrale Raum perfekt.

tip Wie gestalten Sie Ihr Programm am Dienstag?
Tarja Turunen Das Konzert reiht sich in die Tradition der Weihnachtskonzerte, die ich seit vielen Jahren um diese Zeit in Finnland gebe. Es steht klassische Musik auf dem Programm, die die Menschen in Weihnachtsstimmung versetzen soll. Neben dem Dauerregen ist es vor allem die typische Hektik zum Ende des Jahres, die keine Besinnlichkeit aufkommen lässt. Ich habe mich für u.a. für Sibelius und Schubert entschieden, aber auch eigene Songs, die in dieses Repertoire passen.

Interview: Ronald Klein

Foto: Eugenio Mazzinghi

Tarja Turunen, Di 04.12., 20 Uhr, Passionskirche

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